Aktuelles
Fr
06
Jan
2012
Des bunten Adlers Tränendrüse drückt
angesichts eines bemitleidenswerten Menschen, der unter den Bürden seines Amtes nicht etwa zusammenbricht, sondern tapfer seinen Sabberlappen zückt, um artig und adrett sein Saubermann-Image wieder aufzupolieren. Andere wären längst outgeburnt und hätten Asche auf ihren Häuptern. Es ist aber auch zuviel verlangt, als Mensch vom Dorf in vier Tagen fünf noch dazu ausländische Staaten zu bereisen und obendrein telefonieren zu müssen. Unter einem solchen Kulturschock kann da schon einmal die Wortwahl entgleiten und in Vergessenheit geraten. Freizeit und Urlaub sind in jenen Kreisen nicht selbstverständlich und wären da nicht die treuen Freunde aus der Schulzeit, die diesem Biedermann sporadisch ein Dach über dem Kopf gewähren, könnte sich der genügsame Niedersachse nicht einmal ein klein wenig frische Nordseeluft und die Nase wehen lassen. Schließlich ist das bescheidene kleine Häuschen nach wie vor nicht abbezahlt, die Kinder sind klein und die Austauschhausfrau zeigt sich anspruchsvoll. Katholisch! Konservativ! sind die Werte, doch das Vorbild hängt schief und der bunte präsidiale Sockel bröckelt...
...immer noch nicht genug. Gebt ihm doch endlich einen Gnadenschuss, er quält uns doch nur noch!
Fr
26
Aug
2011
Verstörung
Heute Nacht
drangen Gigallionen Voltagen
(folglich nicht nur Zillionen Watt
sondern Megaliter Unwätter)
gleißend
in meinen Alptraum ein
und schlugen meinen Schlummer tot.
Apokalyptotischer Weltenbruch ins Nulloversum!
Hellwach analysierte ich
mein auswegsloses Vorbei
Zum Glück fiel mir ein
dass ich schlimmstenfalls sterben würde –
das war so lange tröstlich.
bis ich blitzgeblendet anfing
über den Weg dorthin nachzudenken
Heute früh
frisch geduscht und freitagspoliert
lachte mich meine Straße
einfach aus.
So
21
Aug
2011
Freispruch
Unersättlich meine Gier
nach Nachschub
wenn ich dich niederschlage, Tag für Tag
Dir das Glühen aus deiner Birne schraube
und mich an der jämmerlichen Unterwerfung deiner Gedankenfluten labe.
Ich! bin ihre Herrin und du Wicht verlierst die Orientierung.
Mein ist die Macht
deine Sonne zu verdunkeln
und dir im Zwielicht interessiert beim Welken zuzusehen.
Mein Gift manipuliert deine Wahrnehmung,
zieht unaufhaltsam die Farben aus deinem Alltag
und die Wärme aus deiner Umgebung.
Ich klaue den Klang aus den Melodien
und entführe den Schalk aus deinem Nacken.
Nachts halte ich dich wach, lasse dich im Dunkeln zähe Zeittropfen zählen,
schenke dir ein klebriges Übermaß davon für sinnlose Grübeleien
die deine fahle Visage zerknittern.
Mit wachsender Begeisterung verdrecke ich dein Lachen,
während ich mit dem Atem aus deinen Zügen Klimaanlagen füttere.
Schließlich gehört mir
der Antrieb aus deinem Tun
und ich vereinnahme dein Selbst
bis es sich richtet.
Mord auf Raten?
Nix da, Freispruch, Euer Ehren!
Sa
20
Aug
2011
Erziehungsbepflichtigt
Heute habe ich dieser unmöglichen Person aber sowas von die Leviten gelesen. Wie kann man sich als erwachsener Mensch nur dermaßen kindisch aufführen? „Trotz und Wasser noch mal, reiß dich doch verdammt noch mal zusammen und plärr nicht gleich los, nur weil mal ein Mann buht. Und das noch nicht mal in deine Richtung!!!“ , hab ich gebrüllt. Und dem heulenden Haufen Elend zu meinen Füßen noch mal tüchtig in die Flanke getreten, damit es wenigstens einen richtigen Grund zum Flennen gibt. „Verschüttete Milch lässt sich nun mal nicht aufheben, der Käs is gegessen, vorbei ist vorbei. Beherrsch dich endlich, verflixte Tat, ich will keinen Ton mehr hören!“
Endlich ist Ruhe. Die Tränen sind versiegt, die Kehle ist trocken. Und ich bin heiser. Und frage mich, warum mir meine Seite so weh tut…?
Sa
30
Jul
2011
Der Hauch der Ahnen
von Birago Diop
Erlausche nur geschwind
die Wesen in den Dingen
Hör sie im Feuer singen,
Hör sie im Wasser mahnen
Und lausche in den Wind:
Der Seufzer im Gebüsch
Das ist der Hauch der Ahnen.
Die gestorben sind, sind niemals fort,
Sie sind im Schatten der sich erhellt,
Und im Schatten der tiefer ins Dunkle fällt.
Sie sind in dem Baum der dröhnt
Und sind in dem Baum der stöhnt,
Sie sind in dem Wasser das sich ergießt
Wie im Wasser das schlafend die Augen schließt,
Sie sind in der Hütte, sie sind im Boot:
Die Toten sind nicht tot.
Erlausche nur geschwind
die Wesen in den Dingen
Hör sie im Feuer singen,
Hör sie im Wasser mahnen
Und lausche in den Wind:
Der Seufzer im Gebüsch
Das ist der Hauch der Ahnen.
Die gestorben sind, sind niemals fort,
Sie sind in den Brüsten des Weibes,
Sie sind in dem Kind ihres Leibes,
Sie sind in dem Streit der sich regt.
Sie sind nicht unter der Erde:
Sie sind in dem Brand der sich legt,
Sie sind in den Gräsern die weinen,
Sie sind in den Felsen die greinen,
Sie sind im Wald, in der Wohnung, im Brot:
Die Toten sind nicht tot.
Sie mahnen uns täglich an den Bund,
An den großen Pakt der uns bindet,
Der unser Los dem Gesetz verknüpft,
Den Taten der stärksten Wesen,
Dem Los unserer Toten die nicht gestorben:
Der Pakt der uns bindet ans Leben.
Das schwere Gesetz das uns knüpft an die Taten
Des Hauchs der sich legt im Flussbett, am Ufer,
Des Hauches der Rufer,
Der weint in den Gräsern, im Felsen sich regt.
Erlausche nur geschwind
die Wesen in den Dingen
Hör sie im Feuer singen,
Hör sie im Wasser mahnen
Und lausche in den Wind:
Der Seufzer im Gebüsch
Das ist der Hauch der Ahnen.
Fr
29
Jul
2011
Alter Schwede!
Seit Jahren habe ich
Nicht nur ein
Sondern Zweiräder ab.
Seit heute sind sie nun zu viert.
Drum bin ich nicht mehr nur der Geradhr
Sondern ein Gerädeter.
Denn die geerbte antiquierte Kiste sprang zwar an
Soff aber im nächsten Moment gleich wieder ab
Und blieb ertrunken.
Gestunken
Hat’s ziemlich und ganz besonders mir
Mitten im Dorf
Vor all den Witz
Begierigen.
Ein Hausfrauenkittel weit über 78einhalb
Leistete dahingehend Soforthilfe
Dass sie in ihrem VogelsbergeRRRRRRRRRR erklärte,
dass das Antiquum selbst im Winter
bei minus 24 Uhr um 2 Grad morgens
an.
Sprang!
Und lief.
Warum nicht mit mir und das um die Wette?
Oder vor mir weg?
Mobbte mich der alte Schwede?
Oder beliebte der Poltergeist
Meiner lieben verschiedenen Freundin
Mir den steifen Schabernacken zu kitzeln?
Schnurz und Mut:
Ein sonniger Engel löste sich aus einem herbei geeilten Strahlenbündel, besprühte die ersoffenen Kerzen mit heiligem Wasser, zündete sie schließlich an und röchelschnepperproch fiel dem Unboliden seine eigentliche Bestimmung wieder ein. Ich hatte ihn – aber bitte nicht weitersagen – insgeheim mit der Aussicht auf Langstrecken bestochen. Er sprang an und nicht mehr mit mir um. Nur noch ein ganz kleines bisschen an der Tankstelle, als die Lehne des Fahrersitzes beim Anfahren meinte, mich zügig in die stabile Rückenlage bringen zu müssen.
Nun bin ich wieder autorisiert.
Und sogar zu Hause angekommen.
Bakenknitter, gern gerädert
Fr
22
Jul
2011
Mein Pfad der Tugend begann,
nach und nach ohne mich weiterzugehen, als ich dich im Herbst 1996 kennenlernte. Mein damaliges Leben als fürsorglicher Familienmensch mit gestutztem Vorgarten, aber ohne weiterführende Hintergedanken erfuhr eine exotische Bereicherung. So eine wie dich hatte ich in den behüteten 32 Jahren davor nicht kennengelernt. Eine Frau, die sich der Verantwortung für sich selbst stellt und nebenbei in der Küche ein Klo aus den Fugen kloppt, die auf relativ kleinen Füßen ihren Weg geht, ohne vorher ihren Mann um Erlaubnis zu fragen – fast schon beängstigend, aber hochinteressant und faszinierend. Ich wollte dich näher kennenlernen, was aber nicht so einfach war. Erst als unser kleines Schweinchen Billy meiner Unachtsamkeit und einem großen schwarzen Hund mit Jagdinstinkt zum Opfer fiel, ergab sich eine vorsichtige Annäherung. Benni und ich waren zu dir geflohen, als sich unser Haushaltsvorstand wegen des stattgehabten unbequemen Todesfalles echauffierte. Wir saßen zum ersten Mal in deiner Küche, du gabst dem trauernden Neunjährigen und mir zu essen und zu trinken, ein offenes Ohr, Wärme und Verständnis. So fing es an und ich weiß nicht, wie viele Nächte danach du und ich zusammen saßen, diverse Weinflaschen köpften und redeten. Besagter Haushaltsvorstand sollte dir einige Zeit später vorwerfen, dass du so etwas wie eine Hirnwäsche bei mir durchgeführt hättest. Immerhin, eine solche Wäsche setzt das Vorhandensein eines Denkapparates voraus. Du hast mich gelehrt, ihn sinnvoll zu nutzen, althergebrachte Wertvorstellungen in Frage zu stellen, darüber nachzudenken, ob ich nicht auch ohne die Aufsicht meiner familiären Vorgesetzten mein Leben in Freiheit gestalten könnte. Dir schlug zunächst meine Auflehnung entgegen, ich verteidigte mein bekanntes Unglück. Du hast an Fundamenten gerüttelt, die in meinem bisherigen Dasein in Stein gemeißelt waren. Zum Glück, kann ich heute nur sagen. Es waren viele Umwege nötig, bis ich den Pfad der Tugend hinter mir lassen und meinen Weg mit Achtung auch vor meinem Leben selbständig gehen konnte. Das vergesse ich dir niemals. Danke, Trudi.
In diesen bewegten Zeiten haben wir den einen oder anderen lustigen Ausflug links vom besagten Tugendpfad gemacht. Irgendwann hattest du auf deiner Couch gesessen und missbilligend draußen die Laternenpfosten betrachtet, die von Wahlplakaten der Republikaner verschandelt waren. „Die müssen weg!“, war unsere einhellige Meinung. Und so stapften wir im nächsten Morgengrauen mit einer Trittleiter und einem Seitenschneider ausgestattet zu den besudelten Pfosten. Du hieltest die Leiter fest und ich durfte die Laternen von den schmutzig-braunen Plakaten befreien. Wir schleppten sie in deinen Keller, die Aussicht aus deinem Wohnzimmerfenster war gerettet. Dummerweise prahlte ich vor meinem Exmann mit dieser Heldentat, was mir gehörigen Ärger von wegen Polizei, Staatsgewalt und Rache der Rechten einbrachte. Ich hätte die Klappe halten sollen, du hattest ja recht.
Ein anderes Mal hattest du mich abends zum feudalen Essen eingeladen. Wir spiesen vortrefflich, glühten uns mit Wein vor und zogen schließlich weit nach Mitternacht mit deiner Schubkarre los. Hinter der Bushaltestelle befand sich ein Materiallager für Straßenbauarbeiten, und da du deinem wunderbar wilden Garten einen kleinen Weg schenken wolltest, klauten wir diverse Betonplatten, die wir kichernd zu dir nach Hause karrten.
Auch deine letzte einsame Aktion passt ins Bild. Ihr Ergebnis macht mich sehr traurig. Dennoch freue ich mich für dich, dass du nun endlich in Frieden schlafen kannst, ohne dass die Schatten deiner Vergangenheit dein Dasein verdunkeln. Ich bewundere deinen Mut und deine Konsequenz.
Regina
22. Juli 2011
Fr
15
Jul
2011
Gegentümliches
Dein Wimpernflügelschlag
in meinem Gesicht
erschüttert mein Fundament
Mauern bröckeln
doch ich fühle mich ganz
Ineinander versunken
geben wir uns wieder frei
Ich will deine Kraft spüren
und genießen, wie du schwach wirst
In deinen Armen
fühle ich mich angekommen
und auf dem Weg
Du stillst meine Sehnsucht
und nährst sie zugleich
Do
23
Jun
2011
abgeschrieben
Der Wind pfeift durch die Ritzen und es zieht gewaltig. Doch ist es nur Staub, der aufgewirbelt wird, kein Fetzen Papier gaukelt herum.
Die Worte tanzen und singen nicht mehr. Längst ist ihr Echo verhallt.
Mein Blatt bleibt nun unbeschrieben, mein Postfach versiegelt.
Mi
08
Jun
2011
Bakenfalter rezitiert
Bekanntlich ist Gerhard Bakenfalter (der letzte seiner Art) nicht mehr der Jüngste. Lange, lange musste er überlegen, an welchen großen, dichten Fürsten ihn ein frisch auf der grünen Wiese mühsam entziffertes Werk erinnert.
Bedingt durch seinen bestenfalls zweiten Frischegrad hat Bakenfalter das Teil womöklich nicht mehr ganz auf die Reihe bekommen, dennoch möchte ich die Welt an seinen gestammelten
Rudimenten teilhaben lassen, denn auswändiges Zitieren unterstützt die Resthirnfunxion:
Senile Betflucht
Wagt es niemals, all ihr Waisen,
Weil die Menge euch verhöhnet:
Das Inwend’ge will ich preisen,
Das im Schrammentod sich wähnet.
In der Diebesnächte Spulung,
Die dir zeigte, was mir deuchtet,
Überfällt dich fremder Kuhdung,
Wenn die dunkle Funzel leuchtet.
Nicht mehr spieltest du mit Schlangen
kratzt der Ginster - nix Begattung,
Und dich reißet neu Verlangen
Auf zu höherer xxxxxxxx (Zensur)
Keine Sterne -> Nachtlicht schwierig,
Kommst gewogen und versandt,
Und zuletzt, des Nichts begierig,
Bist du Mottentier verbrannt.
Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stier und Pferde!
Bist du nur ’ne Funzellast
in der trüben Herde.
Johnny Walker, Gothic
Mo
16
Mai
2011
Funstdücke
Funstdücke
Du gutes altes Paukelschind
mein lieber alter Freund
hier an der Straße ich dich find
von altem Schrüll umzäunt.
Verschmäht die Blesse abgewandt
das Fell ganz stumpf und, Paul,
voll abgehalftert hängt im Stand
die Lunge aus dem Gaul.
Von fetten Schränkeln eingequetscht
Kleinsheriff gab dir Sporen
die Zähne gelb hast oft gefletscht
verfehltest klapp die Ohren.
Tagein, tagaus der Peitschen Knall
doch es gab kein Entrinnen
die Hufe fest, die Därme prall
der Reiter wie von Sinnen.
Nicht nur die Nüstern
bläht die Wut:
Ein Schnurz!!! entweicht!
Gar laut das Pfut!
Bis an das Fenster reicht der Drall
das Sims verhindert deinen Fall -
wer flog, kann ich dir flüstern.
niteleitz, 16. Mai 2011
Di
11
Jan
2011
Sehnsucht, geschürt oder wann ist endlich Samstag?
Sehnsucht, geschürt
Dein Wimpernflügelschlag
an meiner Haut
so zart und leicht
erschüttert mein Fundament
nachhaltig
Mauern bröckeln
und es bebt nicht nur die Erde
Halt mich fest, ganz fest
damit es noch viel schlimmer wird
lass uns maßlos ineinander versinken
ich will deine Kraft spüren
und genießen, wie du schwach wirst
in deinen Armen
fühle ich mich
angekommen
und auf dem Weg
du stillst meine Sehnsucht
und nährst sie
zugleich
Meine Koordinaten verschieben sich
zu einem System of a Down
das Ypsilon kippt
aus der Senkrechten
wird nun der Winkel unrecht?
Nein, nur links
gern auch horizontal
die Augen schließen
und du bist da
Do
16
Dez
2010
Besinnliches
Nalis wunderlichter Weihnachzbaum
Ha! Um wohlfühltaktisch jegliche Weihnachzheckticken großräumig zu umgehen, erbarmte ich mich bereits 8 Tage vor dem Feste, so etwas wie einen Baum zu schmücken.
Und nun verkünde ich nich ohne Stolz:
Die Tanne steht!
Kopf bei mir.
Lichtlein oben,
Spitzen unten
Und zwischen allen Tannenwipfeln
Sieht man dunkle Wichtlein hüpfen:
Friedhelm, den Schüchternen, ein 1äugiges Spinnlein, einen Flattermann und die kleine Hexe liNa.
edler Baumschmuck
die kleine hexe liNa
Froholockig Andacht haltend
pirate queen nali
Di
23
Nov
2010
Autumn artwork
Während es draußen beharrlich schifft und schlottert, ist es für das modernde Nachtlicht von vorgestern ein besonderes Vergnügen, sich auf häusliche Tugenden zu besinnen und die eine oder andere Handarbeit zum Wohle ihrer Nächsten zu verrichten.
Natürlich kommen zu diesem Behufe nur kostbarste Rohstoffe in Frage, wie in unserem Fall die Wolle des wilden kaukasischen Kaschwuffs (seines Zeichens eine Koyotenart), der sich aus eingangs erwähnten Gründen nur ungern von seiner Behaarung trennte und unter lautem Protest schließlich den Schwanz einkniff.
Archivfoto eines kaukasischen Kaschwuffs in freier Wildbahn:
Reiche Erträge (aus tierschutzrechtlichen Erwägungen bilden wir hier lediglich eine sommerliche Ernte ab):
Abendliche Spinnereien mit der Handspindel führten zu diesem sagenhaften Knäuel:
Das laute Weinen des ebenfalls anwesenden australischen Tierchens (es wurde seinerzeit in San Francisco in einem Aussieshop schlichtweg adoptiert, ohne dass seine Herkunft, geschweige denn sein Familienname jemals bekannt wurden),
erschütterte das Nachtlicht, so dass es heftig flackerte. Die Nase des Aussies tropfte unaufhörlich und sein Schluchzen war noch lauter als das Gejammer des inzwischen frierenden kaukasischen Kaschwuffs, so dass das Nachtlicht beherzt zu zwei dicken Stricknadeln griff und folgendes zwar unscheinbare, dennoch ungemein praktische Accessoire schuf:
Inzwischen ist das australische Tierchen dank Rotzbremse friedlich eingeschlafen.
Schluss jetzt mit den Hirngespinsten.
Gute Nacht
licht aus.
Di
31
Aug
2010
E - Musik
Da musste ich doch glatt halb 90 werden, um so ein wildes, durchgeknalltes, abgefahrenes, lautes!!! (hä?), bewegendes (ich wurde in alle Richtungen geschubst) Rockkonzert zu erleben. Die Massen um mich herum waren zum großen Teil noch nicht einmal halb so alt wie ich, nur gut, dass ich vor meinem leider immer noch nicht bevorstehenden renitenten Renteneintritt noch rüstig genug war, um mich derart durchrocken zu lassen. My brain feels fucked this morning – vielleicht liegt das aber auch daran, dass Serj diese f-Vokabel immer wieder und wieder zu Recht benutzt hat. Im Vergleich zu Imperfect Harmonies im E-Werk in Köln war Elect the Dead Symphony im Berliner Admiralspalast ernste Musik – diesbezüglich hätte der würdige Palast das E vom Werk mit Fug und Recht verdient, während im Werk angesichts der Schweißfluten zwar keinem Admiral, dafür aber gefühlten 10.000 Piraten würdige Seeschlachten erfolgreich geschlagen wurden, während unser Piratenhäuptling auf der Bühne, der feinsinnige Poet, Zirkusdirektor, sensible Philantrop und Tierfreund, Zappelphilipp, Vollblutmenschundmusiker Serj kontinuierlich Kugeln in die Kanonen stopfte und Öl ins Feuer goss. Wäre ich 15, würde ich jetzt einfach „HAMMMMMER“ sagen und meinen Teeniemund ungläubig staunend nach der letzten Silbe nicht wieder schließen.
Mitgenommen hat mich diese Angelegenheit, und das nicht nur körperlich. Einiges hat mich auch verstört. Vom Hörgenuss hat mir das „ernste“ Konzert im Admiralspalast besser gefallen, vor allem, weil ich dort Serj singen hören konnte und nicht nur das Grölen des Pöbels um mich herum. Und weil das Publikum disziplinierter war – wobei aber auch Serj sich bei beiden Konzerten dem Ambiente und der Art der Events entsprechend verhalten hat. Ich gebe aber nur zu gern zu, dass ich meinen sonstigen Gewohnheiten und meiner nicht vorhandenen Musikalität zum Trotz verbal genauso gepöbelt und gegrölt habe – und es hat mir total gut gefallen, den einen oder anderen Finger im Takt in die Luft zu recken , rumzuhüpfen und -tanzen und zu brüllen, ähm, singen.
Nun aber mal der Reihe nach. Zu einem ordentlichen Konzertbericht gehört sowohl ein chrono als auch ein logischer Verlaufsrapport. Also: Ich sattelte die frisch gelockte garstig gelbe Kröte und hatte voll vergessen, den bei der E-Werk Security bereits berüchtigten Anstandskuchen zu rühren…
Nein, stimmt gar nicht. Es handelte sich um ein nachtgelichtetes Unterfangen und nicht um einen Spießerausflug. Die Bäh/n brachte mich mit einem komplikationslosen, schonenden Transport mit einer in ihrer Beinahigkeit schon fast erschreckenden Pünktlichkeit nach Köln und völlig aus dem Konzept. Verdattert verlief ich mich auf den ca. 347einhalb Metern vom HBF zum Hotel höchstens 4 x und beobachtete dabei den Dom aus verschiedensten Perspektiven. Dennoch ließ ich die Kirche im Dorf, checkte das Hotel, schmiss noch schnell meinen Rucksack auf den Schreibtisch und mich dieses Mal ausnahmsweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit in mein kleines Schwarzes, versuchte eine später ohnehin zum Scheitern verurteilte Frisur, befestigte diese und mein Hirn mit schwarzer Spitze, lief an zwei Puderdöschen und dem Wimpernschwärzer vorbei und danach nur ganze zwei Mal um den Dom herum. Inzwischen hatte mein Handy den Ruf der bereits eingetroffenen Eule vernommen, die sich kurze Zeit später die lange Schlange vor dem E-Werk von hinten angucken sollte. Dort wollte ich auch hin – also nichts wie rein in die U-Bahn, aber flott. Die Schanzenstraße war dieses Mal kein bisschen kürzer als zuletzt im Dezember, die Schlange noch viel länger. Nacht(licht an eule) ergab, dass der kluge Vogel schon drin war. Schade, angesichts der Menschenmassen schwanden so die Chancen auf ein Minimalstforentreffen im kleinen Halbkreis. Trotzdem und aus mir unerklärlichen Gründen identifizierte mich die Eule dennoch und so folgte ich ihrem Käuzchenwinken und –rufen hocherfreut. Ich drängelte mich durch die Massen, stolperte fast über Menschen am Boden und dann schnätteten wir live und in Farbe ohne Hardware ausführlich drauflos. Es füllte sich zusehends und wurde immer kuscheliger. Wir freuten uns über unsere doch recht günstigen Stehplätze in der 6,75. Reihe (grob geschätzt) mitten vor der Bühne. Die Zeit bis 20:00 Uhr wollte trotz unseres angeregten Austausches so gar nicht vergehen. Zwischendurch fragte mich ein auch nicht mehr ganz taufrischer Typ, der uns wohl zugehört hatte, neugierig nach dem Konzert in Berlin und ich erzählte ihm so dies und das. Seine Frage nach Pogo im Palast verneinte ich – da wusste ich noch nicht, wie sich sowas anfühlt.
Pünktlich um 20:00 Uhr ging tatsächlich schon das Licht aus – unglaublich. Viza from Los Angeles. California ließen die Rampensäue raus und rockten die Bude vom ersten Ton an – wild, ausgelassen, frech. Und richtig gut, auch wenn ich sonst leisere Töne bevorzuge. „Kalt isses nicht“, hatten Eule und ich sinngemäß schon vorher schwitzelnd festgestellt und so wischte ich mir kontinuierlich die Brühe aus den Augen, um bloß nichts zu verpassen, denn die Bühnenshow der 9 Durchgeknallten war beeindruckend in ihrer Dynamik, Rasanz und Extrovertiertheit. Allen voran der charismatische Frontman K’noup, der selbstbewusst, fast schon unverschämt Kühnheit und Können vereinte und grinsend zu berichten wusste, dass sie first time in Germany und begeistert von den lots of alcohol seien. Ein starkes, sehr lebendiges Auftreten legte aber auch der Percussionist mit dem irokesen Zopf an den Tag, wenn er über die Bühne flitzte und doch nie seine Einsätze verpasste. Ob sein Kumpel, der Drummer, auch ein Gesicht hatte, vermag ich nicht zu beurteilen, denn er headbangte sein langes Kraushaar dauer. Die Jungs strotzten nur so vor Energie und Spielfreude – ein verdammt lauter Genuss. Metal, aber heavy, empfand ich Unbedarfte. Aber nicht nur – der etwas stillere Jivan Gasparyan jr. trug mit seinem Flöteninstrument (wie ein Duduk sah das Teil nicht aus, war aber zu weit weg, um sich von mir ordentlich identifizieren zu lassen) und trug mit seinen Tönen dazu bei, dass die Musik von Viza dem Lärm zum Trotz sehr melodisch, orientalisch klang. Während eines besonders wiilden Songs zückte K'noup eine Digicam, revanchierte sich beim Publikum mit wüsten Aufnahmen desselben, drehte die Cam um und bannte sich selbst singend auf den Clip. Dank dieser Band näherte sich das E(nergie)Werk unaufhaltsam dem Siedepunkt. Die Band verabschiedete sich überschwenglich, das Licht ging wieder an und dann wurde mindestens eine ewige Viertelstunde lang umgebaut.
Es war vorne noch viel, viel voller geworden. Besonders nervig war der relativ lange Kerl mit der riesengroßen armenischen Fahne vor mir, die mir immer wieder die komplette Sicht auf die Bühne nahm. Leider war mein Bein nicht lang genug und sowieso standen zu viele Unschuldige im Weg, um den Misse-Täter tüchtig in den Ar*** zu treten. Dennoch – direkte Körperkontakte zu fremder schweißbesudelter Haut ließen sich nicht mehr vermeiden. Offenriechlich hatten diverse Deodorants bereits kapituliert und verzweifelt Selbstmord begangen, mein Ambiente war jedenfalls ein rustikal deftiges. Tief unter mir quiekte eine überdrehte Mickymaus und drückte ihre eingezwängten Rundungen vertrauensvoll an mich. Hilfe, ich hasse ein solches GedrEnge, was tu ich nur hier und wo bleibt Serj? Nach subjektiven zwei endlosen Stunden betrat ein Teil des mir seit Berlin schon vertrauten tschechischen Sinfonieorchesters die Bühne und ließ sich mehr als umständlich verkabeln. Nur gut, dass ich ein so unglaublich geduldiger Mensch bin!!!
Endlich ging das Licht aus, es erklangen eigenartige laute Töne – Left of Center! Serj Tankian, ENDLICH betrat er die Bühne, grinste in die Runde und erhob die Stimme. Wauh, war das geil, das Gesamtpublikum war sich in seiner Begeisterung einig, viele grölten mit, außer mir, denn ich konnte den Text noch nicht. Dafür aber den von Lie, Lie Lie – was für ein Spaß, den übermütig hüpfenden Armenier mit ausgelassenem Grölen zu unterstützen und zu erheitern. An die genaue Setlist kann ich mich nicht erinnern, dieser Abend hat mich auf jeden Fall ein wenig hirnverbrannt, so what.
Sky is over ließ uns sowieso schon Aufgedrehte vollends ausflippen – einen solchen kollektiven Enthusiasmus habe ich noch nie geteilt bzw. gesteigert, unglaublich. Die Enge war fast unerträglich, aber inzwischen war mir auch das egal. Ich wollte nur eins – mehr von Serj. Und das war er mehr als bereit zu geben. Ich weiß nicht mehr, an welcher Stelle Honking Antelope kam, das ist auch unerheblich. Ich hätte vorher, mit der ruhigen, klassischen Version im Ohr, die mich im Admiralspalast so sehr verzaubert hat, niemals gedacht, dass mich dieser Song rockig interpretiert dermaßen mitreißen könnte - Serj hat es unbestritten drauf, die Welt zu ändern - with only a song.
Bei The Unthinking Majority habe ich dann aber die Flucht nach hinten angetreten, fühlte mich durch zwei Pogoknäuel, die sich gegenseitig rüde rammten, bedroht, bekam Angst. Von den Randalierern gingen fiese Wellen aus, die eine ungesunde Unruhe ins Publikum brachten. Und nicht nur ich fürchtete mich sehr. Zunächst dachte ich, dass die Mädels, die sich brutal um sich schlagend und boxend einen Weg durch die MEnge bahnten, auch nur Unruhe stiften wollten – aber die hatten Panik, sie wollten sich in Sicherheit bringen. Und auch ich suchte einen Ausweg für den Notfall, fühlte Panik aufsteigen, wollte raus – und sah keinen Weg, dachte an die Opfer der Love Parade in Duisburg, fürchtete, zu Boden gestoßen zu werden. Ein Junge führte seine weinende Freundin aus dem Pulk heraus an den Rand, streichelte sie tröstend. … Scheiße – sollte das für mich das Ende dieses Konzerts bedeuten? Das wollte ich trotz aller Ängste um keinen Preis und so zog ich mich langsam etwas weiter zurück, parkte mich neben einem Mammutbaum von einem jungen Kerl, der zwar auch recht ausgelassen hüpfte und tanzte, aber das war für mich OK, da konnte ich mithalten. Ich wünschte mir nach diesem Tumult ein paar ruhigere Stücke von Serj, aber die ließen noch auf sich warten.
Electron war stark, ich konnte gar nicht anders, ich musste das genießen. Auch Borders Are gefiel mir so viel besser als vorab bei youtube, es kam, so wie Theris schon erwähnt hatte, live ganz anders rüber. Und dann mein absoluter Höhepunkt dieses Abends – Yes, it’s Genocide. Das hat mich so sehr berührt, dass ich zittern musste. Ein Mantra, ja Theris, genau das ist es. Ich freue mich schon so sehr auf die CD, möchte dieses Lied immer, immer wieder hören, verinnerlichen, nie wieder vergessen. Und an diesen wilden Abend zurückdenken. Auch ich habe an das Lied von Karoliina Kantelinen gedacht, an die so ähnlichen Gefühle in jener Kirche in Rudolstadt. An das Leid der verfolgten und ermordeten Armenier, das niemals in Vergessen geraten darf. Ich verneige mich vor dem genialen Künstler Serj, danke ihm für seine einfühlsamen Botschaften, seinen sensiblen Umgang mit dem Unfassbaren, der dennoch niemals seine sprudelnde Lebensfreude unterdrückt. Dieser Mann lebt und arbeitet wie ein ungezähmtes Tier ("We don't consider ourselves as part of the environment because we think we're too good to be animals!" sagte oder schrieb er einmal dazu), lässt sich nicht von Konventionen beeinflussen, sagt geradeaus, was er denkt, eckt an, ist unbequem. Die personifizierte Zivilcourage, auch wenn und gerade weil civilization für ihn längst over ist.
Mit seinen leiseren Tönen brachte Serj die Massen wieder einigermaßen zur Ruhe – vorübergehend jedenfalls. Zwischen seinen Stücken ließ er sich nicht feiern, sondern unterbrach den frenetischen Applaus mit seinen politischen Botschaften gegen Krieg, Gewalt, Materialismus, für Menschlichkeit und Frieden. Ich hoffe und wünsche mir, dass auch dieses Inhaltliche in den Köpfen und Herzen der jungen Menschen um mich herum angekommen ist, dass es ihr Bewusstsein auch über diesen Abend im E-Werk hinaus nachhaltig beeinflussen wird. OK, bei solchen wie mir kurz vor Ablauf des Mindestverfallbarkeitsdatums kann das natürlich auch nicht schaden.
Dieser Abend in Köln ist unvergesslich – noch immer sehe ich Serjs vielfältige Gesichter und Seiten, seine Posen und schnellen Bewegungsabfolgen vor mir, die witzigen Tanzeinlagen, die pantomimischen Darstellungen verschiedenster Musiker, Serjs weit aufgerissene große braune Augen, die er immer wieder ironisch rollen lässt, sein unverschämt freches Grinsen, die tiefe Ernsthaftigkeit seiner Blicke, die auch die entlegensten Winkel einer Seele erreichen. Viel zu schnell schon kündigte er lachend this fucking Empty Walls an – eine wilde Herausforderung, den Text genauso schnell wie er gebrüllt zu kriegen. Ein Appell gegen das Töten unschuldiger Menschen, als Sühne für die Täter, die allein hinter leeren Mauern zurückbleiben sollen und zugleich Serjs Hymne an die Lebensfreude, die trotz allem niemals versiegen darf. Und dann waren sie alle weg – unerhört. So ging das nicht, wir Publikum brüllten nach einer Fortsetzung. Serj und seine Musiker ließen sich nicht lange bitten, sie kehrten im Laufschritt zurück, um als ohrenbetäubendes Finale the fucking (Serjs Mittelfinger schnellte nach oben) Money anzuprangern. Boooooooh ey, was war das geil, kollektiv den Finger nach oben zu recken, den Text zu schreien, die Geldgier zu verteufeln. Und dann war Schluss – einerseits war das traurig, andererseits musste ich aber auch dringend raus an die Luft. Ich überlegte noch, ob ich als erstes den Getränkestand überfallen sollte, aber da warteten schon mindestens hundertausend Durstige. Also sah ich mich nach der Eule um, die schon seit dem Umbau verschollen war, fand sie nicht und eilte daher so schnell es das GedrEnge zuließ nach draußen. Mein Rücken schmerzte höllisch, die Füße ebenso, mein rechtes Ohr schien einen pfeifenden Besatzer zu haben und alles in mir brüllte nach Wasser. Draußen war es besser, ich überlegte, die Eule anzurufen, aber das ging in dem Lärm mit meinen tauben Ohren auch nicht, schade. Also wartete ich ein bisschen, konnte dann aber so gar nicht mehr (Sorry, Nachteule - wenn alte Leute schon mal abends vor die Tür gehen!) -und so humpelte ich die 27 km Schanzenstraße entlang. Nein, nicht ganz – der mir schon bekannte Saftladen hatte noch geöffnet und so erstand ich zwischendurch eine lebensrettende Flasche Gerolsteiner. Zisch!!! Völlig ausgelaugt und fertig stand ich irgendwann vor dem großen Dom, der anstatt Platz zu machen wiederum meinen Weg blockierte und fand trotzdem irgendwie das Hotel wieder, entledigte mich der klatschnassen, stinkenden Klamotten und duschte ausgiebig. Danach lag ich im Bett, schrieb Eule SMSe, hörte dem Rauschen meines Ohres zu und war dank meiner Überwältigung natürlich nicht in der Lage, einzuschlafen. Was für ein Abend – was für ein wunderbarer Serj.
[nachtlichter, Ende August 2010]
Fr
09
Jul
2010
er/ich
er/ich
dein wider
spricht in meiner hand
mit worten zur zeit
und zur unzeit
darüber, was es ist
oder nicht
und doch wünschte ich mir
das/s es…
du gibst mir deinen fried/en
weder ruhig
noch bequem
und tröstest mich denn/
noch
[rv, 9. Juli 2010]
Was es ist
Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Erich Fried
aus
"Es ist was es ist. Liebesgedichte, Angstgedichte, Zorngedichte", Berlin 1996.
Fr
09
Jul
2010
Fazit eines Folkfestivals
Spußfuren
Rabenschwarze Stinkefüße tapern durch die Nacht.
Hier ein Abdruck dort ein Schweißfleck
Und am Laken klebt Verschleißdreck
Pedikürte Saubermauken haben keine Macht.
[rv 4. Juli 2010]
So
02
Mai
2010
und es kam doch in die Tüte!
Sogar beim Nachtlicht, nachdem das widerborstige Wirf-es-doch-endlich-wech-Zelt dem internationalen Einsatz freundlicher Ersthelfer beim M'era Luna 2009 zum Trotz nicht klein zu kriegen war und daher voluminös und bräsig geschlagene 9 Monate lang in meinem Keller Platz fraß. Nun ist es vorbei, ich scheine das Video kapiert zu haben, das Zelt ist erst einmal in der Tüte und ich gelobe feierlich, dass ich den Eintütungsprozess noch üben werde. So wahr mir das untige Video dabei helfe!!!
So
25
Apr
2010
"Understanding Oil" by Serj Tankian
By Serj Tankian
9/13/2001
The brutal attacks/bombings this week in New York, and Washington D.C., along with threats of attacks there and elsewhere in the country have changed our times forever. While the mass media concentrates on the details of the destruction, and the blanketed words of politicians, I will attempt to understand and explain the events from the fence. BOMBING AND BEING BOMBED ARE THE SAME THINGS ON DIFFERENT SIDES OF THE FENCE.
Terror is not a spontaneous human action without credence. People just dont hijack planes and commit harikari (suicide) without any weight of thought to the action. No one in the media seems to ask WHY DID THESE PEOPLE DO THIS HORRIFIC ACT OF VIOLENCE AND DESTRUCTION?
To be able to understand the answer to this, we must first look at our U.S. Mideast Policy. During most of the 20th century, U.S. businesses have worked on attaining oil rights and concessions from countries in the Middle East and Eastern Europe. After WWI, secret back door deals by our State Dept. yielded oil rights from then defeated Turkey to fields in what is now Iraq and Saudi Arabia, in return for looking the other way at a crime against humanity, the Genocide of the Armenians by the Turks. Oil profits have been the motivating factors behind many attempts at counterinsurgency of democratic regimes by the CIA and the U.S in the Middle East (such as Iran in the 1950s, where the Shah replaced the Prime Minister who refused to give up oil rights to the U.S., and since the people couldnt deal with the Shah, an extremist government headed by the Ayatollah Khomeini ultimately prevailed). During the Iran-Iraq war, America supplied both sides with weapons and advice. These are not the actions of a rich superpower wanting peace. Lets not forget that Saddam Hussein, before being Americas vision of the Anti-Christ, was a close ally of the U.S., and the CIA. So what was the firm belief system of consecutive American administrations that caused all this to occur ? PEACE IN THE MIDDLE EAST WILL LEAD TO HIGHER OIL AND GASOLINE PRICES. Lets not also forget the power of the Arms industry, disguised as defense, that still sells billions of dollars of weapons to the area. Therefore it has not been in the short-term economic interest of the U.S. to foster Peace in the Middle East. Using the above reasoning, the U.S. has encouraged extremist governments, toppled democracies, as in the case of Iran to replace it with a monarchy, rigged elections, and many more unspeakable political crimes for U.S. businesses abroad. Lets not also forget the Red Scare. During the war between the then Soviet Union and Afghanistan, the U.S. armed and supported the Taliban, a fundamentalist Muslim organization, and allowed them to export opium and heroin out of their country to pay for those weapons. Therefore the Taliban rose to power and control with the help of the U.S.A. Today, the bombing of Iraq still continues, no longer covered by the media, the economic embargo still remains, killing millions of children, and recently, while the world and the U.N. General Assembly have cried out to bring in peacekeeping forces into Israel and Palestine, to end the escalated war and recent assassinations, the U.S. has vetoed the rest of the Security Council and has halted the possibility of peace, there, in the most volatile place in the world.
People in Serbia, Lebanon, Iraq, Sudan, and Afghanistan to name a few have seen bombs fall, not always at military targets and kill innocent civilians, as the scene in New York city yesterday. The wars waged by our government in our names has landed smack in the middle of our living room. The half hour of destruction closed down all world financial markets, struck the central headquarters of our military, and had our leaders running into bunkers, and our citizens into fear and frenzy. What scares me more than what has occurred is what our reactions to the occurrences may cause. President Bush belongs to a long generation of Republican Presidents who love war economies. The media has only concentrated on the bombings, if you will, and what type of retaliations are looming for the perpetrators. What everyone fails to realize is that the bombings are a reaction to existing injustices around the world, generally unseen to most Americans. To react to a reaction would be to further sponsor the reaction. In other words, my belief is that the terror will multiply if concrete steps are not taken to sponsor peace in the middle east, NOW. This does not mean that we should not find the guilty party(s), Bin Laden, or whoever they may be, and not try them. Put simply, as long as a major injustice remains, violence precipitates to the surface of life.
Native American folklore, the Bible, Nostradamus, and many other major religious beliefs point to this era with the visuals of yesterdays disasters, and conditions of ecological disasters we experience daily in our lives today. War, rumors of war, famine, long burning fires, etc., are at our doorstep. We can prevail over this possible vision with the power of the human spirit, understanding, compassion, and peace. ITS TIME TO PUT OUR NEEDS FOR SECURITY AND SURVIVAL, ACHIEVED ONLY THROUGH PEACE, ABOVE AND BEYOND PROFITS, ESPECIALLY IN THESE TIMES.
SOLUTION:
The U.S. should stop sidestepping the U.N. Security Council, and allow U.N. Peacekeeping troops and missions to the Middle East. Stop the violence first.
Stop the bombing and patrol of Iraq.
With todays gains in the use of alternative fuels, develop them to full usage with autos and other utilities, to make the country less dependant on an already depleting natural reserve, oil.
By initiating peace, we would have already shaken the foundations of support for Bin Laden, and/or all those that sponsor activities like those we saw yesterday, and break the stronghold of extremists on the world of Islam. On the other hand, if we carry out bombings on Afghanistan or elsewhere to appease public demand, and very likely kill innocent civilians along the way, wed be creating many more martyrs going to their deaths in retaliation against the retaliation. As shown from yesterdays events, you cannot stop a person whos ready to die.
Source: http://donce.awardspace.com/esej.html
Profit versus Peace...
Serj hat so unbedingt recht mit seiner kurz nach 9/11 geäußerten und für den vom engen Horiziont umgebenen Durchschnittsmenschen ungebührlichen Meinung. Es war sehr mutig, als Amerikaner zu
diesem Zeitpunkt so etwas Unbequemes, Unpatriotisches zu veröffentlichen. Ich kann und mag gar nicht ermessen, wohin mich meine Bewunderung für diesen Menschen noch führen wird. (--->by
the wäy - kann nix Schlimmes sein).
Serj vereint Klugheit und Gefühl, Intelligenz und Empathie, Mut und Humor, Zorn und Liebe. Ich verneige mich vor diesem Mann.
nachtlichter
Sa
24
Apr
2010
Aghet - gegen das Vergessen
Heute vor 95 Jahren, am 24. April 1915 begann der Mord am armenischen Volk - "Aghet", die Katastrophe. Vor ein paar Wochen lief in der ARD die gleichnamige Dokumentation über das unfassbare Geschehen im Kaukasus, mehr darüber findet sich hier: http://www1.ndr.de/kultur/film/ndr_produktionen/aghet/index.html
Fassungslos, unendlich traurig, hilflos und wütend lässt mich "Aghet" zurück. Unfassbar ist nicht nur das Grauen, das dem armenischen Volk angetan wurde, sondern vor allem auch die fast schon ein Jahrhundert währende und immer noch präsente Ignoranz, das Nicht-Anerkennen-Wollen des systematischen Abschlachtens eines Volkes durch die damalige türkische Regierung. Aktuell wird sich nach Jahrzehnten des feigen Schweigens gern damit herausgeredet, dass "das Alles" doch schon so lange her sei... Dadurch sind die Armenier doppelt gestraft. Nicht nur die Tatsache, dass die Vorfahren der aufgrund von mörderischen Greueltaten ungeboren gebliebenen armenischen Kinder qualvoll langsam in den Tod getrieben wurden, schmerzt, sondern genauso die Feigheit der Regierung, die Heuchelei strategisch Verbündeter und nicht zuletzt die Pietätlosigkeit, heutzutage Straßen nach den Diktatorgebrüdern Pasa, die für das genozide Gemetzel verantwortlich waren, zu benennen. Es erschüttert mich zutiefst, was Menschen ihresgleichen antun können und dabei nichts aus der Geschichte lernen, sondern immer wieder abstruse faschistoide Begründungen finden, die in ihren Augen die Vernichtung ganzer Völker legitimieren.
Der Beitrag war erschreckend. Erschreckend gut. Erschreckend authentisch durch die von hervorragenden Schauspielern dargebotenen Zitate von Zeitzeugen. Erschreckend schmerzhaft, schockierend. Die Bilder und das Gehörte haben sich tief in meine Seele graviert.
nachtlichter
Mo
05
Apr
2010
Dona dona , dos kelbl
Oyfn furl ligt dos kelbl,
Ligt gebundn mit a shtrik.
Hoykh in himl flit dos shvelbl,
Freyt zikh, dreyt zikh hin un tsrik.
Chorus:
Lakht der vint in korn,
Lakht un lakht un lakht,
Lakht er op a tog a gantsn
Mit a halber nakht.
Dona, dona, dona, ...
Shrayt dos kelbl, zogt der poyer:
Ver zhe heyst dikh zayn a kalb?
Volst gekent dokh zayn a foygl,
Volst gekent dokh zayn a shvalb.
Chorus
Bidne kelber tut men bindn
Un men shlept zey un men shekht,
Ver s'hot fligl, flit aroyftsu,
Iz bay keynem nit keyn knekht.
Chorus
Text: Aaron Zeitlin
Melodie: Shalom Secunda
Mi
24
Mär
2010
Ansichtskacheln
„Wozu bin ich denn verheiratet", sagte er
und nahm sich das, was ihm seiner Meinung nach zustand.
‚Gib mir meinen Schlaf zurück'...träumt es sie noch Jahre später.
„Nein, eine andere kriegt dich nicht"
sagte sie eines versöhnlichen Abschieds
Bums!
beschwert sie sich in der Pathologie.
[rv, 24. März 2010]
So
14
Mär
2010
und doch ist es mir nie genug
Hunger nach
Liebe
stillt Hunger?
Nein, weckt
Unersättl Ich es.
Allein werde ich satt
doch niemals mich
sondern
du.
[rv, 13. März 2010]
Sa
13
Mär
2010
auwEIa
Ei, gekocht
Einleitung
Das Hühnerei ist das Vögelei der Haushenne. Wird es ihr rechtzeitig (nach dem Legen) weggenommen, dient es als landwirtschaftliches Produkt dem Menschen als Nahrungsmittel.
Zubereitung
Zunächst herausfinden, wo im Ei sich die Luftblase befindet. Das funktioniert mittels Feststellung von Temperaturunterschieden (Luftpolster wirken stark isolierend; also gibt die im Ei
befindliche Blase die Wärme der Hand stärker zurück als das Restei). An genau dieser Stelle das Ei mit dem Eierpickel abstechen. Wer keinen Eierpickel hat, versucht es vorsichtig mit einer
Stopfnadel (Vorsicht, Finger!).
Gleichzeitig Wasser in einem Topf zum Kochen bringen. Das Wasser so bemessen, dass das Ei während des Kochvorgangs komplett bedeckt wird, ihm also nicht kalt wird.
Kocht das Wasser sprudelnd, das Ei mit einer behutsamen Handbewegung, am besten unter Zurhilfenahme eines geeigneten Eierkochlöffels, in den Topf legen. Durch das Bohrloch in der Schale kann
jetzt die im Ei enthaltene Luft entweichen und das Ei springt nicht aus dem Topf. Dem Herd die große Hitze nehmen, d. h. die Platte klein stellen.
Für ein weiches Ei das Ei drei Minuten konsequent durchkochen. Für ein wachsweiches Ei sollte die Kochzeit fünf Minuten betragen und ein knallhartes Ei benötigt 7 Minuten reine Kochzeit, aber bitte nicht länger, denn sonst wird ihm grün.
Nach dem Kochen das Ei mit dem oben erwähnten geeigneten Kochlöffel wieder aus dem Wasser fischen und unter dem Wasserhuhn mit kaltem Wasser erschrecken. Falls sich das Ei schon vor der Zubereitung dergestalt erschrecken musste, dass es auf den Fußboden fiel und zerbarst, gibt es eben Rührei mit knusprigen Ei(n)streuseln.
Mahlzeit!
Sa
13
Mär
2010
Törénder Tod
Törénder Tod!
Tod den marme Laden
gläsern!
ist ihr Durchblick
doch be
törend
süß ihr Sein
ihr Werk zers
törend
Öréndes
Tod den armen Maden -
Lasern!
macht ihr'n Blick
so scharf, ach wie st
örend
büßt ihr Schein
ihr Werk emp
örend
[rv, 13. März 2010]
Zum Vorgang des Marme Ladens erreichte mich folgender hintergründiger Kommentar von Fritz Rainer Polter:
"als jüngling hatte ich einmal einen arbeitseinsatz in einer
marmeladenfabrik zu leisten.
in die großen trichter wurden erdbeeren und äpfel geschüttet.
Dann drückte der Vorarbeiter einen Knopf;
-und der Trichter begann sich unter unsagbar hohen, pfeiffenden
Tönen in seinen rotierenden Durchlauf zu setzen.
Ich darauf zu ihm: was'n das, Meester? Fehl's an Schmierfett?
Nee, meinte er, das sind nur die
-Ratten
Juten Appe-
Tieeet!
Nah, für mich ist es nun "eh" zuende, das Rumgesüße.
Höchstens mit ner Süßen,
um zu Büßen
am Busen
ohne Zucker
nun zu schmusen."
Marme in der Lade bringt also nicht nur uns Menschen den tragischen Tod. Die unendliche Süßigkeit ihres Seins verzuckert unser Blut, konserviert Restratten und sorgt für tüchtig Speck auf den Rippen. Nieder mit dem Teufelszeug!
Marme in der Lade
führt zu Schimmel.
Himmel!
und ist schade
für die Made
in dem Speck
ist der dann weck.
Die Sendung mit der Maus Ratte: Wie kommt das Aroma in die Marmelade?
Josephine sucht ihren Bruder
Josephine andächtig neben der Urne
Di
09
Mär
2010
Trötzlich
1samkeit tröstet.
Niemand da, der mir was tut.
1samkeit trostlos:
Niemand da, der mir was tut!!!
1samkeit nicht mehr bei Trost -
Niemann da, tut mir was, der.
2samkeit trotzen ->
niemand da, der mir was tut…
Tröstlich.
[rv, 9.März 2010]
Sa
27
Feb
2010
The Great Patriotic War
"This video shows the winner of 2009's " Ukraine 's Got Talent", Kseniya Simonova, 24, drawing a series of pictures on an illuminated sand table showing how ordinary people were affected by the
German invasion during World War II. Her talent, which admittedly is a strange one, is mesmeric to watch.
The images, projected onto a large screen, moved many in the audience to tears and she won the top prize of about $75,000.
She begins by creating a scene showing a couple sitting holding hands on a bench under a starry sky, but then warplanes appear and the happy scene is obliterated.
It is replaced by a woman's face crying, but then a baby arrives and the woman smiles again. Once again war returns and Miss Simonova throws the sand into chaos from which a young woman's face
appears. She quickly becomes an old widow, her face wrinkled and sad, before the image turns into a monument to an Unknown Soldier. This outdoor scene becomes framed by a window as if the viewer
is looking out on the monument from within a house.
In the final scene, a mother and child appear inside and a man standing outside, with his hands pressed against the glass, saying goodbye.
The Great Patriotic War, as it is called in Ukraine , resulted in one in four of the population being killed with eight to 11 million deaths out of a population of 42 million.
An art critic said: "I find it difficult enough to create art using paper and pencils or paintbrushes, but using sand and fingers is beyond me. The art, especially when the war is used as the
subject matter, even brings some audience
members to tears. And there's surely no bigger compliment."
Click here to watch this brilliant performance:
http://www.youtube.com/watch_popup?v=vOhf3OvRXKg
Fr
26
Feb
2010
Human brain - still alive
und vor unbefugtem Gebrauch geschützt. Viele Zeitgenossen bedienen sich nur zu gern dieses Parkplatzes; ist es doch unbestritten mühsam, das Teil sinnbringend zu nutzen. Schließlich muss man ein kuckidentes Gebiss auch nur zum Essen in die dazugehörige Vorrichtung applizieren. Nur so ist es zu erklären, dass die Blödzeitung noch immer millionenfach buchstabiert und vorgekaute Sendungen auf satt1 oder rütl2 sich eines so regen Zuspruchs erfreuen.
[rv]
nachtlichter

