Das Bilderbuch hat bereits für sich gesprochen und nicht nur Rügens überwältigende Schönheit, sondern auch meine geänderten Urlaubsschwerpunkte gezeigt. Zunächst war nicht geplant, dass mein 17 jähriger Schlotterhund Robin, das renitente Rentnerlein, Ines und mich nach Rügen begleiten sollte.

 

Da der Rentner jedoch in der letzten Zeit zunehmend abgebaut hatte, wollte ich ihm den anstrengenden Aufenthalt werktags in der Hundetagesstätte bei Denise nicht zumuten. In einem langen und guten Gespräch mit ihr war mir klar geworden, dass mein Rentnerlein während der Woche hier überfordert wäre und nicht zur Ruhe kommen würde. Ines ließ sich darauf ein, nicht nur sämtliche umnachtlichteten Bakenfalters mitzunehmen, sondern als speziellen Bonus obendrein die Schlotterbacke. Vielen lieben Dank für deine Geduld und Gelassenheit, Ines - insbesondere im Zusammenhang mit Schlottis Gesangsdarbietungen auf "seiner" Bühne. Denn eins ist spätestens seit dieser Reise gewiss: Singen kann! der olle Kalkranzen. Wenn ihm etwas nicht passt, steigert er sich in die höchsten Töne hinein, die heftig unter die Gänsehaut gehen, bis hin zum finalen Hauruffwuffff. Danach holt er kurz Luft, bevor die 2. Strophe folgt... Ich buchte also noch ein zusätzliches Zugticket Frankfurt/Süd - Bergen auf Rügen & retour für den wackeren Rentner und musste im Verlauf mitansehen, wie sich nach und nach die ursprünglichen Prioritäten in Richtung canino-geriatrischer Kuraufenthalt für den renitenten Rentnerhund verschoben.

 

Da die Damen Rumpentrumpen

Ines und Nali (undenkbar ohne  Robin Hund)

in Tateinheit mit dem während der langen Zugfahrt begonnenen und in Bakenberg schließlich geschlüpften

 

Bakenbärchen

natürlich üüüüüüüüüüüüüüüberhaupt niemals auffallen, konnte das berühmte Ostseebad Göhren nicht umhin, unsere schücht... ähm berüchtigte kleine Reisegruppe unverzüglich auf einer Postkarte zu verewigen.

Das Eis auf der Kurpromenade (direkt in der 1. Reihe hinter der Plexiglasscheibe verzehrt) war übrinx unglaublich lecker.

 

(Anm. d. Red.:

Bei diesem Sonntagsausflug handelte es sich um eine einmalige Milieustudie der Damen Rumpentrumpen zwecks Abschreckung, wie Urlaub für diese Spezies nicht funzt.)

Wo ist die Butter?

Ein gediegenes Frühstück auf dem Zeltplatz gestaltet sich bei den Damen Rumpentrumpen lustig und ausführlich. Wie der Tauchsieder [Danke, Ines, für den neuen Terminus technicus ---> verwöhnte Göre, die zu unseren Zeltnachbarn gehörte und sich zwar ungefragt, dafür aber umso aufdringlicher überall reinhängte] altklug bemerkte: „Ihr seid aber Kichertanten. Dabei darf man beim Essen gar nicht lachen, dann verschluckt man sich und das ist gefährlich!“ Lebensgefährlich, jau!

 

Und so trug es sich eines sonnigen Morgens zu, dass ich der frühen Stunde (kurz nach dem Morgengrauen so gegen 9:00 Uhr) zum Trotz beim Brötcheneinkauf mitdachte und noch ein Stück Butter ergatterte. Der Rest in unserer Kühltasche war bereits ein kümmerlicher, so wurde es Zeit. Ines lobte diese konstruktive Idee und nachdem wir vorübergehend von einer kleineren Meinungsverschiedenheit, die sich jedoch schnell wieder klären ließ, abgelenkt wurden, kippten wir den guten Filterkaffee nur so in uns, schnitten die Brötchens auf, verteilten den Butterrest und kauten zunächst zufrieden, bis das zweite Brötchen auf der Tagesordnung stand. „Wo ist die Butter?“, fragten wir uns. Sie verbarg sich weder hinter meinem Erzfeind, dem Gurkentier, noch unter Wurst und Käse, mitnichten hinter dem Honig. Einfach weg war sie! Butterklau? Cholesterine Entführung in Vorpommern? Unsere Blicke schweiften über potentiell Verdächtige in unserer unmittelbaren Umgebung, bis sich meiner schließlich auf das Areal direkt unter mir richtete und folgendes Elend offenbarte:

Fettstuhl mit Butterberg
Fettstuhl mit Butterberg

Peinlicherweise kam just in jenem Moment, in dem ich an einer Lachsalve zu ersticken drohte, ein aufmerksamer Zeitgenosse vorbei, der meinte, dass es bei ihm zu Hause ähnliche Gerätschaften für das Pressen von Kartoffeln gäbe und sie mich im Bedarfsfalle gern um Unterstützung bitten würden… Glücklicherweise (für mich) verpasste genau dieser Witzbold mein nächstes dramatisches Buttertrauma ein paar Tage später – wer zu spät kommt, den bestraft nun einmal das Leben. Kaum war er wieder einmal neugierig grüßend an uns vorbei geschlendert, ließ Murphy eine inzwischen neu erworbene Butterschachtel aus meiner Hand fallen – natürlich mit der offenen Butterseite nach unten in den von Kiefernnadeln gespickten Dunkelsand…

Übrigens tat der Tauchsieder Emilia abends nach dem 1. Buttervorfall naserümpfend kund, dass sie die Sache mit der Butter voll eklig fand...

 

Nicht nur unser Rentnerlein, nein, auch Ines und ich kamen auf Rügen in den Genuss verschiedenster und erlesenster Kostbarkeiten:

So viel wilde Natur in all ihrer Üppigkeit - überwältigend! Auf unserem ursprünglichen, sehr rustikalen Zeltplatz fühlte ich mich in die Spiele meiner Kindheit zurückversetzt. 

 

Baden, ohne dass der Badeanzug nass wird - für mich unbedarfte Wessi aus den gebrauchten Bundesländern eine neue, jedoch absolut geniale Erfahrung. Besonders an jenem doch recht trüben Abend, als wir neben ein paar vermummten Spaziergängern und dem empörten Rentner den Strand auf der Schaabe fast für uns allein hatten und einfach aus den Klamotten aus- und in die Ostsee einstiegen. Welch ein überaus erfrischendes Event!

Und danke für den Fisch - zusammengefasst: Saulecker! Nicht nur die diversen gebratenen Meeresbewohner fluppten nur so in unsere ausgehungerten Schlünder, nein, auch der Räucherfisch in Vitt war ein Gedicht.

Vor dieser Kur vermochte unser Methusalem in der Frankfurter Schwüle fast gar nicht mehr selbständig zu laufen. Daher hatte ich ihm dieses Rentnermobil gekauft, ohne das ich es am Abreisetag mit ihm nicht einmal bis zum Südbahnhof geschafft hätte. Im weiteren Verlauf begann der sichtlich auflebende Greis, uns auch bei schonenden Fahrten in seiner Kutsche mit aufwühlenden Liedchen über die Langeweile des Gezogenen zu unterhalten, was bei mir eine deutliche Blutdrucksteigerung zur Folge hatte.

 

Nebenbei ließ er sich aber gern von mir in der Ostsee baden. Wasser findet er nach wie vor gut. Selber schwimmen war zunächst nicht drin. Daher hielt ich ihn an seinem Kleidchen (Geschirr) fest, so dass Robin die Schwimmbewegungen schonend üben konnte. Und siehe da – plötzlich schwamm er wieder selbst, die spielerische Physiotherapie hat Früchte getragen!

 

Erheblich zur seelischen Hundegesundheit haben nicht nur die vielen Streicheleinheiten und das stetige Wachsen des Schlottifanclubs auf dem Zeltplatz beigetragen, sondern in erheblichem Maße auch der wunderschöne Nachmittag mit seinem Kurschatten Max. Dieser hatte sich bei unserem überaus vergnüglichen Besuch bei Nicole in Bergen auf den ersten Blick in unsere reizende Schlottilie verliebt und konnte nicht umhin, ihm diese Liebe unverblümt zu zeigen. Suppe, der Wächter der Terrasse, nahm dieses stirnrunzelnd zur Kenntnis, während die beiden wunderschönen Katzen es angesichts unserer rumpentrumpigen Invasion vorzogen, lieber Reißaus zu nehmen. Die Axolotls hingegen reagierten gelassen. Nachdem Max, der Herzensbrecher, vorübergehend in Quarantäne gesteckt worden war, erbarmte sich mein Schwerenöter Schlotti in der Küche des Katzenfutters, um sich nach dessen Verzehr eine kleine Siesta direkt neben den Näpfen zu gönnen.

 

 

Vorsicht - FSK mindestens 23einhalb!

Die im Folgenden gezeigten teilweise sehr schlimmen Bilder sind für Kinder und Jugendliche nicht geeignet!!! 

Unterdessen entdeckten wir beim Kaffeetrinken auf der Terrasse viele, viele Gemeinsamkeiten mit Nicole, was alle Beteiligten sehr beruhigte. Auch sie spinnt überhaupt nicht, hamstert keine Wolle, strickt keine Tücher… und geht zum Lachen in den Keller. Welch ein Glück! Vielen lieben Dank für deine Gastfreundschaft, Nicole, der Nachmittag bei dir hat so viel Spaß gemacht und ich hoffe, wir sehen und demnächst einmal wieder! (Schlotti nickt begeistert).

Heldentum!

Eines Morgens wurde ich von Donnergrollen wach, es war halb 9 und zappenduster draußen. Also nix wie raus aus der Penntüte, Rentner geschnappt und eine Runde Pipikack für uns beide. Danach habe ich ihn zwecks Brötchenkauf an die Regenrinne vor dem kleinen Laden getackert. Drin war ca. eine halbe Milljohn Camper versammelt - die wollten sich alle noch VOR dem Unwetter bevorraten. Bis zum Bezahlen dauerte es daher ewig, das Gewitter kam immer näher, es schiffte wie aus Fässern... die meisten blieben nach dem Bezahlen einfach im sicheren Laden, aber das konnte ich doch dem Rentnerlein nicht antun. Also nix wie raus, die Regenrinne sprudelte über, Schlotti platschnass. Wir setzten zum Sprint durch das Kiefernwäldchen an, als ein fürchterlicher Blitz mit gleichzeitigem Donnergetöse direkt über uns das Dunkel erhellte. Ein Alptraum für mich Gewitterschisser! Schlotti jedoch ließ das kalt, wir rannten noch schneller, es blitzte und donnerte infernalisch und ich dachte nur, wenn uns nun ein Blitz erwischt, isses auch nich zu ändern... Pladdernass brachten wir uns schließlich in unserem Zelt in relative Sicherheit - puuuuuh. Ich bin nur froh, dass Schlotti nicht mehr - so wie früher - bei Donner ausgerastet ist. Nicht auszudenken, wenn er sich in Panik aus seinem Piratengeschirr befreit hätte und durchgebrannt wäre…

 

Feldherrnhügel und Ar***kuhle – die Ausmaße dieser geographischen Besonderheiten unter unserem Zelt bekam ich bedingt durch meine späte Ankunft erst beim Zeltabbau zu sehen – Respekt, Ines, dass du in diesem zerklüfteten Gebirgszug unter deiner Isomatte überhaupt schlafen konntest!

 

Eine weitere überaus erfreuliche Begegnung mit Einheimischen ergab sich auf dem Weg zum Königsstuhl in Hagen (Lohme). Ines hatte schon zuvor den entzückenden Bienenstock entdeckt, in dem neben Tee und Honig und Sanddornprodukten wunderschöne Wollprodukte und andere regionale Kostbarkeiten angeboten wurden. Wir kamen mit der Inhaberin ins Gespräch und es zeigte sich, dass sie zu Weihnachten ein Spinnrad bekommen hatte, mit dem sie jedoch Schwierigkeiten hatte. Ines bot an, ihr mit diesem wunderschönen Gerät von Herrn Malottke auf die Sprünge zu helfen und so verbrachten wir eine sonnige Zeit im Kaminzimmer/auf der Terrasse hinter dem Laden, wo ich zu meiner großen Freude wiederum viele Tiere und Pflanzen entdeckte. Die meisten der Tiere waren Findelkinder, die hier ein wunderbares neues Zuhause gefunden hatten.

Der letzte Nachmittag in Bakenberg schien uns auf die bevorstehende Abreise einstimmen zu wollen - das Wetter probte seinen Umschwung und es kündigten sich heftige Regenfälle und ein Temperaturschwund an.

 

Es wurde Zeit, die verschmuddelten Klamotten - ja, auch die inzwischen (morgen) vorgewaschene Butterhose - einzutüten. Unglaublich, wie schnell die 12 Tage auf der Insel vergangen sind. Der nahende Abschied stimmte mich wehmütig.

 

Genießen Sie Ihre Reise in vollen Zügen!

 

Nope – freiwillig nie wieder, schon mal gar nicht mit einem armen alten Hund und viel Gepäck im Schlepptau. Der erste Teil der Reise von Bergen auf Rügen nach Hamburg war zunächst angenehm. Der noch relativ leere IC fuhr durch den Regen, der Rentner schlief und auch das Nachtlicht döste. Bis kurz vor Hamburg technische Probleme auf der Strecke die Weiterfahrt für zunächst 15 min. (zu optimistische Einschätzung des Bordpersonals) verhinderte. OK, ich hatte eine Dreiviertelstunde Puffer zwecks Pipikack des Rentners VOR dem Bahnhof eingebaut). Dieser Puffer verringerte sich jedoch auf ganze  5 min., so dass Schlotti während des gehetzten Gleiswechsels den Querbahnsteig und auch sich selbst bepullerte, weil er beim Pinkeln einfach umfiel.

 

Dass ein ICE nach München ausgefallen war und die gestrandeten Passagiere daher auf "unseren" Zug umgeleitet wurden, erfuhr ich erst später. Ich wunderte mich nur über die Menschenmassen auf dem schmalen Bahnsteig, ein Durchkommen zum Wagenstandsanzeiger war fast nicht möglich. Und so kam 1 zum anderen... wir sind in den falschen Wagen (4 statt 6) gestiegen und steckten fest, kamen weder vor noch zurück. Überall Gepäck und unfreundliche Menschen, die uns in unserer Not auch noch mobbten. Nach gefühlten 2 h und diversen Schweißausbrüchen und Panikanfällen hat eine Frau unser Elend wohl erkannt, mich gefragt, ob ich irgendwo reserviert hätte (hatte ich natürlich, nur am anderen Ende des Wagons) und mir ihren Platz angeboten, um sich dann zu meinem durchzuschlagen. Daraufhin forderte sie ein paar herumstehende Gaffer auf, mein Gepäck zu verstauen (taten die dann auch) und Robin und ich konnten uns total beengt endlich niederlassen - föllich am Ende. Wobei mein guter Rentner trotz allem noch sehr gelassen wirkte, er nörgelte erst später, das dann aber fast durchgehend bis Ffm. Gegen dieses Chaos war die fast neunstündige Hinfahrt ohne Umsteigen, jedoch mit einem 15 min. Aufenthalt in Bitterfeld, den ich zu einem Spaziergang mit Schlotti nutzen konnte, eine Wohltat. Sowohl das Zugpersonal als auch die Mitreisenden waren seinerzeit sehr freundlich und hilfsbereit.

 

Mit der Menschheit ein klein wenig versöhnt hatte mich auf der Rückfahrt dann allerdings nicht nur die Frau, die uns ihren Platz anbot, sondern auch noch eine zweite, die in Hannover zustieg und auch nach Frankfurt wollte. Sie war es, die angehörts des Schlottermotzens auf die gute Idee kam, die Plätze zu tauschen, damit der Rentner am Gang etwas mehr Bewegungsfreiheit hatte. Diese Frau war ebenfalls eine Hundefreundin mit viel Verständnis für das Rentnerlein. Als unsere Hundewasserflasche wegen Entrollung im überfüllten Zug unauffindbar blieb, war sie es, die der jammernden Schlotttüte von ihrem stillen Wasser etwas abgab. Das fand ich sehr lieb!

 

 

Reif für die Insel

 

bin ich nach dieser Reise noch viel mehr als vorher - Rügen ist überwältigend schön und ich möchte diese Insel unbedingt noch viel näher kennenlernen.

 

Dieser Urlaub war ausgesprochen anstrengend, denn schließlich wollte mein reichlich verpeiltes Rentnerlein angemessen behütet und bekurt werden, was zum Glück und dank Ines liebevoller Unterstützung gelungen ist.

Kann mal bitte jemand mein Esszimmer aufräumen?
Kann mal bitte jemand mein Esszimmer aufräumen?
Tu mal den Huf von meinem Handtuch!
Tu mal den Huf von meinem Handtuch!
Ihr Kulturbanausen - ich bin ein berühmter Opernsänger!
Ihr Kulturbanausen - ich bin ein berühmter Opernsänger!

Herzlichen Dank,  Ines, für dein großes Verständnis im Hinblick auf den Prioritätenwechsel und die vielen (Leinen-) Verwicklungen, die das Rentnerlein verursacht hat.

 

Ich bin froh und dankbar, diese Tage auf Rügen mit meinem Hund so intensiv erlebt und genossen haben zu können, denn niemand weiß, wieviel Zeit uns noch bleibt.

 

Aber soviel ist gewiss:

Wir kommen wieder, Rügen.