So

30

Jun

2019

Vom schwarzen Schwein benuschelt - zwischen den Welten

Zwischen den Welten fühle ich mich. Nicht mehr zwischen den zerklüfteten Steilküsten Korsikas und noch nicht zurück in den Großstadtschluchten Frankfurts. Ein Stück meiner Seele ist auf der Insel geblieben, dessen Ruf ich eines hoffentlich nicht allzu fernen Tages folgen werde. Korsika hat mich hingerissen, verzaubert.

 

Die letzten Tage auf der Insel waren sehr intensiv, schienen zu versuchen, uns mit ihrer Schönheit davon zu überzeugen, noch viel länger zu bleiben. Wir haben so vieles zurückgelassen, was wir am liebsten noch viel genauer erkundet hätten und noch viel mehr, was wir noch gar nicht kennen. Korsika berührt, bewegt. Ich will zurück.

 

Wir sind der krasse Gegensatz von jenen Korsika-Reisenden, die in 10 Tagen mindestens alles gesehen haben wollen. Man könnte es auch faul nennen, dazu stehe ich. Die meiste Zeit sind wir in „unserer“ Bucht geblieben, haben ihre Wildheit und Schönheit, ihre Wärme und Hitze, aber auch ihre schroffe Kälte und ihre Gefahren auf uns wirken lassen, aufgesogen, verinnerlicht. Diese Insel – so wie wir sie hauptsächlich in der Bucht von Porto erlebt haben – ist ganz und gar nicht lieblich, sondern kann durchaus auch bedrohlich sein. Wenn man ihre Natur jedoch respektiert und GMV (gesunden Menschenverstand) walten lässt, ist sie ein Genuss.

 

Möglicherweise ist es eine Schande, dass wir uns die beeindruckende, überwältigend schöne Bergwelt lediglich von ziemlich weit unten angesehen haben. Zum einen haben wir – s. o. – ein recht faules Gebaren an den Tag gelegt. Wir sind zwar zwei alte Hexen, wollten es aber beruflich noch einmal wissen und haben beide auf unsere alten Tage noch einmal etwas Neues begonnen. Ines macht zur Zeit ihren 2. Facharzt und ich habe Anfang des letzten Jahres die Firma gewechselt, um nicht mehr nur als Projekt-Assistentin in der Klinischen Forschung, sondern als Projekt-Managerin in demselben Bereich das Katerfutter für meine Piratenmonsterchen zu verdienen.

Diese Herausforderungen fordern allerdings Tribute und so waren wir beide wieder einmal mehr als urlaubsreif, als wir die Insel enterten. Uns ist schon bewusst, dass es fast schon Verschwendung ist, nicht durch die Berge zu wandern oder mit dem Rennrad Korsika zu entdecken. Dennoch – warum nicht auch mit dem Mut zur Langsamkeit genießen? Ich bin leider so ganz und gar keine Bergziege, ich habe Höhenangst und zeitweise Schwindelprobleme und habe mich daher 2015 bei einem „Sonntagsspaziergang“ (war so im Reiseführer ausgewiesen) auf Island vorsichtig ausgedrückt grotesk verhalten, so dass ich froh sein kann, das sich Ines trotz dieser denkwürdigen Wanderung noch in meiner Gesellschaft Gebirgen nähert.

 

Das alles soll keine Rechtfertigung für unser Urlaubsverhalten sein. Vielmehr denke ich, dass jeder diese Insel auf seine Weise und nach seinen Möglichkeiten für sich entdecken darf, solange die Achtung und der Respekt vor der Natur sowie den Tieren und Menschen, die hier leben, an erster Stelle stehen.

 

Nachdem wir am Montag „unsere“ Bucht vom Meer aus genossen hatten, waren wir am Dienstagmorgen sehr traurig, packen und die Résidence Marina Livia verlassen zu müssen. Unser Chalet aus Holz war einfach, aber sehr zweckmäßig. Insbesondere die immer schattige Terrasse war an den zumeist heißen Tagen ein erholsamer Ort, wenn man von unserem direkten bajuwarischen Nachbarn einmal absieht, der uns mit seinem lauten, stets konservativen und sehr despotischen Familienmanagement gehörig gegen den Strich ging. Die Unsympathie war mit Sicherheit gegenseitig, so hoffen wir jedenfalls.

 

Mittags beluden wir unseren geduldigen dicken Antoine und verließen mit ihm in sehr gedrückter Stimmung unseren strahlenden Golfe de Porto Richtung Calvi. In Partinello zelebrierten wir beinahe eine ganze Schweigeminute für unsere freundlichen Nachbarn aus dem Korsikaforum L‘Breizh au coeur, seine Frau und den Dicken (ein Labrador), die schon ein paar Tage vor uns Abschied von Korsika nehmen mussten und die uns für Prinzessinnen hielten (wer uns live und in Farbe kennt, lacht gerade laut und dreckig), weil sie uns bisher nur virtuell kennengelernt hatten. Es war ein Genuss, Deine Beiträge zu verfolgen, Mario, und unsere Umgebung aus Eurer ganz anderen, viel aktiveren Perspektive wahrnehmen zu dürfen. Unser Ziel am Dienstag war glücklicherweise noch nicht der Flughafen La Poretta in Bastia, sondern Algajola an der Nordküste Korsikas.

Bis Galéria kannten wir die Strecke schon, danach befuhren wir wieder einmal Neuland. Nach ein paar Kilometern waren die Berge nicht mehr ganz so schroff wie zuvor, zeitweise standen sie noch nicht einmal im Weg herum, so dass wir an den Scheitelpunkten unsere Blicke sehr weit schweifen lassen konnten.

 

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Di

25

Jun

2019

Rumpentrumpens wilde Genießerbucht

aka Golfe de Porto - ein zukünftiges Déjà vu...?

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So

23

Jun

2019

Tag des Nadelöhrs

Donnerstag, 20. Juni 2019

 

Wenn es den alten Hexen zu gut geht, satteln sie ihre Besen, verklappen diese in den dicken Antoine und verlassen ihre Schnorchelbucht. Allerdings war außer unserer klugen Frau Studienrätin leider auch Murphy mit an Bord. Er sollte sich aber erst später austoben. Frau Studienrätin, eine very sophisticated britische Geographielehrerin mit Lesebrille auf der Nasenspitze, ist Antoines Super-Navi, das wir zusammen mit unserem dicken Berlingo dem unerhofften Sixt-Upgrade zu verdanken haben. Frau Studienrätins Aussprache des Englischen klingt göttlich, wenn man von ihrer Verbalverhornung der französischen Ortsangaben einmal absieht. Sie quatscht auch nicht zu viel, sondern greift nur dann ein, wenn ihre Schülerinnen Ines und ich nicht mehr weiter wissen. Tuscheln, Kichern oder Zettelchen schreiben während ihrer Vorträge duldet sie allerdings nicht. Ein Stirnrunzeln von ihr reicht und wir benehmen uns wieder ordentlich. Auf jeden Fall teilten wir ihr mit, dass wir in Ajaccio ein Handarbeitsgeschäft aufsuchen wollten. Zugegeben, ein reichlich beklopptes Ansinnen, aber da Ines abends in Gruftistickereien schwelgte, wollte auch ich etwas Kreatives zum Spielen haben. Einschlägige Geschäfte in der Nähe waren nicht zu finden…

 

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Sa

22

Jun

2019

Ines spinnt nicht nur...

... sie stickt auch wunderschön gruftig

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Di

18

Jun

2019

Ein Abend in Ota

Dienstag war ein ganz besonders schöner Tag. Wir hatten kühne Pläne für den Abend, die wir unbedingt in die Tat umzusetzen gedachten - um 18:30 das L'Alba-Konzert in der Kirche und danach ein korsisches Abendessen Chez Marie. Daher fassten wir uns nachmittags am Strand relativ kurz, d. h., wir lungerten nicht lange in der Sonne herum, sondern stiegen gleich zum Schnorcheln ins Meer, das überraschend warm und ruhig war, so dass wir viel sehen konnten. SUCH a big fish and I eated it all!!! (geklauter cat content, vor allem stimmt es nicht, dass große Blubberblasen aufstiegen, als ich nach der maritimen Zwischenmahlzeit ein Bäuerchen machen musste).

Nach dem Duschen hübschten wir uns auf und stiegen in entstaubte Schuhe, bevor wir in Porto noch ein bisschen einkauften und danach nach Ota weiterfuhren. Der kleine Ort empfing uns noch freundlicher als am Samstag, denn jetzt wussten wir, wo wir parken konnten, ohne von einem ungehaltenen Einwohner vertrieben zu werden. OK, seine Sichtweise im Hinblick auf permanent einfallende Touristenhorden, deren Vehikel im Weg herum stehen und den Einheimischen ihre Parkplätze nehmen, kann ich gut nachvollziehen - aber da wir aus straßenverkehrsordentlicher Sicht nichts falsch gemacht hatten, wäre ein etwas freundlicherer Hinweis auf "Anwohnerparken" angemessen gewesen, zumal ich mit dem Herrn in seiner Sprache parlierte.

 

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Fr

14

Jun

2019

Versenkt!

Das Wetter wurde im Tagesverlauf immer seltsamer. Die Sonne verdichtete ihren Schleier mit dunklen Wolken, aus denen es intermittierend tröpfelte. Mehr nicht. Es war schwierig, unsere persistierende Faulheit davon zu überzeugen, nicht mehr so zu klammern. Beleidigt zog sie einen Flunsch und verdrückte sich leise weinend, so dass wir uns auf den Weg zum Strand machen konnten. Es tröpfelte heftiger, so dass ich zu bedenken gab, dass wir vor dem Baden nass werden könnten. Ines ließ sich davon nicht beeindrucken und so enterten wir die dunkeldunstige Bucht. Bleiern plätscherte das Mittelmeer vor sich hin, als ich nahezu ohne Bedenken angesichts seiner Temperaturen ins Wasser rann.... ähm schlich. Saukalt war das!!! Ines plätscherte kichernd im bestenfalls 9 Grad kalten Wasser, während mein innerer Schweinehund vor hochfieberhaften Pneumonien warnte. Tapfer schlotternd schritt ich meinem Verhängnis entgegen. Es wurde schnell tiefer. Meine Unterschenkel hatten schon Gefrierbrand, als ich mich beherzt in die Fluten stürzte. Nach dem ersten Schreck war das richtig, richtig toll und so ließ ich mich auf dem Rücken liegend vom  Mittelmeer verschaukeln.

 

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Fr

14

Jun

2019

Vom schwarzen Schwein benuschelt*

bin ich seit vorgestern. Die Sau hat meine rechte Flechtsandale beknutscht und ihre Zähne gebleckt, um an meinen Zehen zu knabbern. Bis zu diesem tierischen Highlight war es ein weiter Weg, der am Dienstag am Frankfurter Hauptbahnhof begann und mich zunächst mit einem schienenlahmen ICE nach Berlin-Reinickendorf führte. Nach dem Erwerb einer urlaubstauglichen wadenlangen Dünnjeans, die mir noch in meiner Raupensammlung gefehlt hatte, klaubte ich Ines aus den Fängen der Doofen Bahn. Nach einer kurzen Versaufpause im Hotel besuchten wir den Italiener um die Ecke und verbrachten einen leckeren vitaminreichen Abend dort. Nach meiner etwas eintönigen  Restediät über Pfingsten mussten größere Mengen frischer Salat vernichtet werden. Nach den erdrückenden 33° Grad Celsiüssen des Tages wetterleuchtete und tröpfelte es beschaulich, so dass wir unsere erschöpften Schwitzkadaver bei weit geöffneten Fenstern den Hotelbetten anvertrauten. Ines schlief bei Z. n. vier Tagen Festival trotz Hitze schnell ein, während ich noch lange den von zuckenden Blitzen erhellten Flugzeugen im Landeanflug beim Dächerkraulen zusah, was mich schließlich vorübergehend in Morpheus' Arme sinken ließ, bis mich ein ohrenbetäubender Donnerschlag fast aus dem Bett warf. Daraufhin zelebrierte Thor direkt über uns ausgiebig Ragnarök. 

Den nächtlichen Unwettern  zum Trotz hob unser Flieger nach Korsika pünktlich ab und brachte uns sehr entspannt nach Bastia, wo wir einem Sixt-Upgrade sei Dank unseren dicken Antoine (Saint-Ex) bestiegen und mal eben 125 km Richtung Südwesten über die Insel huschten. 

 

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Di

11

Jun

2019

Kleiner Held

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Mo

10

Jun

2019

Tatze stirbt

 

Es tut mir in der Seele weh, dass Tatze sterben muss. Insbesondere, nachdem ich vor einem Jahr das große Glück hatte, dass mein ebenfalls rothaariger Kater Joschij seine schwere Krankheit trotz schlimmer Prognose überlebt hat und es ihm heute wieder gut geht. 


Ich bitte herzlich um finanzielle Unterstützung für Tatzes Familie (siehe Link in Karls Beitrag. Sie tun alles Menschenmögliche, um Tatze seine letzten Tage oder vielleicht auch Wochen so lebenswert wie möglich zu machen, so dass er nicht leiden muss.


Karl, es ist in Deiner Situation absolut nicht verwerflich, um Hilfe zu bitten! 

Ich bin in Gedanken bei Euch und wünschte so sehr, ich könnte mehr tun.

 

Manchmal denke ich, dass ein solcher sich anbahnender Verlust für die Angehörigen noch viel schlimmer sein muss als für den Betroffenen selbst. 

 

 

M. Pathie

 

Es tut weh

das langsame Sterben

einer Seele

mitzufühlen

 

Unaufhaltsam

nähert sich das Ende -

ersehnt und gefürchtet

Die Qual verstümmelt Gedanken

Alptraumblitze zucken

Folter

für die Todmüden,

ihre schmerzenden Körper

und unruhigen Geister

 

Mögen ihre Seelen

Frieden finden

 

Für immer.

 

rv, 2007

 

 

Ich wünsche nicht nur Tatze einen sanften Übergang. Ich hoffe, dass er im Kreise seiner Lieben zu Hause friedlich einschlafen wird. Ich wünsche auch seinen Menschen, die ohne ihn weiterleben werden, dass sie neuen Lebensmut und die Unterstützung ihrer Mit-Menschen finden werden. 

 

Regina

 

 

Post Scriptum 23:30:

Es ist vorbei.

Tatze hat nun seinen Frieden gefunden. 

Meine Gedanken und Gefühle sind bei seinen Menschen. 

Sa

01

Jun

2019

Dornröschen malt ein Dschungelbuch

Mein Balkon – eine Oase der Entspannung, ein Hort des Friedens und der Meditation für meine Kaffeetasse und mich. Jeden Morgen feuere ich meine rankenden Pflänzchen an, meinen Großstadtfreisitz in ein Hybrid aus einer neuen Seite des Dschungelbuchs und einer Dornröschenhütte zu verwandeln. Meine sprichwörtliche Geduld steht mir dabei kaum im Weg. 
Es ist sehr beschaulich – Lüftchen wehen, Vöglein piepsen, Flugzeuge suchen donnernd ihren Hafen. Kleine, erholsame Momente der Besinnung, bevor ich von drohenden Uhrzeigern gehetzt zum Südbahnhof trabe. Aber noch ist Zeit und ich stelle mir vor, wie nach meinem Urlaub das gesamte Katernetz von sprießenden Ranken und prächtigen Blüten nur so strotzt und ein wackerer Prinz mit seinem Küchenmesser versucht, mich...

Schreck lass nach! Ein gurrender Joschij im Katerwahn raste vor drei Tagen im Höchsttempo aus dem Wohnzimmer auf den Balkon, sprang über den Balkonstuhl an die Hauswand und krallte sich eichhörnchenartig die Hauswand bis Oberkante Katernetz hoch (siehe rotes Kreuz in der ersten Illustration - bis hierhin kam der Irre) ... ein bisschen mehr Schwung und Joschij wäre entkommen und wahrscheinlich in die Tiefe gestürzt. Unberechenbar, das Monster!!! 
Soviel zur Idylle am Mittwoch.

Gestern früh um kurz nach 6:00 gesellte sich ein fröhliches Eddie (rothaariges Eichhörnchen) zu mir und (zum Glück! nur) Jurij. Es turnte ca. 50 cm von mir entfernt an der Innenwand des Balkons herum. Jurij guckte sagenhaft blöd und machte... rein gar nix. Panisch vertrieb ich das kleine Tierchen und das war auch gut so, denn Joschij kam mit Killermiene zu allem entschlossen rausgerast und suchte das Eddie. Inspizierte ganz genau die Lücke zwischen Katernetz und Wand und machte Anstalten, sein Rübchen da durch zu schieben, was ich zu verhindern wusste. Sein Blick daraufhin ließ das Blut in meinen Adern gefrieren...

Heute früh hingegen blieb alles friedlich. Eine Herde Gänse machte den Fluchzeugen Konkurrenz und überflog laut schnatternd in einer langen Reihe von 12 – 14 Teilnehmern unternehmungslustig meine Aussicht. Es fasziniert mich immer wieder, wie viele Tiere mitten in Sachsenhausen Südwest mein entstehendes Dschungelbuch mit Leben füllen.

 

Post scriptum:

Der Prinz mit dem Küchenmesser schnorrt mich regelmäßig um ein paar Blättchen Basilikum an. Ansonsten wären ihm und seinem Liebsten die Mozzarella-Tomaten zum Frühstück nicht bunt genug. 

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So

21

Apr

2019

Unten am Fluss

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
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Fr

19

Apr

2019

Und niemand, niemand wundert sich

È nimu, nimu, n'hè stunatu

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Mo

08

Apr

2019

Fresse polieren

 

Jau, ich bin sauer, weil ich jetzt mit einem betäubten rechten Maul im Zug nach Hause sitze, ohne dass bis auf die beiden sehr schmerzhaften Spritzen und zwei wahrscheinlich ebenso sinnlose Abdrücke irgendetwas Zielführendes passiert wäre. Dafür verschwende ich meinen Freizeitausgleich für geleistete Überstunden...

 

'Zahnspaß frustran' war das heute. Fest steht, dass mein zu kurzes Provisorium wohl erst im August durch einen richtigen Stiftzahn ersetzt wird. Doc Palme hatte mir bei meinem letzten 'Zahnfrust spontan' im Februar, als ich notfallmäßig mit einem abgebrochenen Stiftzahn bei ihm aufschlug, versprochen, dass ich beim nächsten Mal zwei Termine an einem Tag haben werde und dann ausnahmsweise alles fertiggestellt wird, weil ich eine so weite Anreise habe.

 

Vorhin schoss er die provisorischen Nerven schmerzhaft ab, so dass mein rechtes Auge Rotz und Wasser heulte. Dann wurden Abdrücke gemacht und als ich wieder sprechen konnte, fragte ich meinen Zahndoc, was genau nun passieren wird. Fieses Schleifen wurde mir in Aussicht gestellt, danach Abdruck, Scannen und alles weitere beim nächsten Termin. Konsterniert erinnerte ich ihn an sein Versprechen, was ihm sichtlich peinlich war. "Wir können das alles heute nicht schaffen, das tut mir sehr leid. Wann sind Sie denn wieder in Leipzig?" Ich erklärte ihm, dass ich wegen meiner neuen Studien vorerst nicht wieder freinehmen kann... Er überlegte hin und her und versprach, mit seinen Zahntechnikern zu reden. Diese konnten auch nur bestätigen, dass es heute nicht mehr klappen würde. Geknickt dachte er laut über Wiedergutmachungsmöglichkeiten nach und bot mir eine PZR = professionelle Zahnreinigung für umme an. Diese wollte ich sowieso gern mal durchführen lassen und so willigte ich ein.

 

Wie ein kleiner Junge, der davon ablenken wollte, dass er Mist gebaut hatte, meinte er dann, dass ich ja gar nicht umsonst erschienen wäre, denn schließlich hätten wir uns ja nett unterhalten und mir würde demnekst kostenlos die Schnauze poliert. "Und ich habe zwei ganz tolle und fies schmerzhafte Spritzen bekommen, die mich zu Tränen gerührt haben", fügte ich hinzu. Treffer, versenkt! Das tat ihm offensichtlich  sehr leid und bevor ich das Wort Körperverletzung auch nur denken konnte, bot er mir zerknirscht noch eine zweite PZR als Schmerzensgeld an, also ein Gegenwert von 160 Öckern (vorausgesetzt, man hat noch alle Beißheimer beieinander, Anm. d. R.) OK, die 2. PZR kann ich an Ines abtreten.

 

Ich sammelte meinen Zahnersatz wieder ein und fragte abschließend: "Und das nächste Mal klappt alles?" " Auf jeden Fall! Sonst dürfen SIE mir die Fresse polieren!' Nach einem freundlichen "Davon können Sie ausgehen!" drohte ich ihm an, für diese Politur meinen Sohn mitsamt seinen auf 2,05 m verteilten Kräften mitzubringen, was meinen Zahndoc schon ein klein wenig einschüchterte. "Und wie groß sind Sie nochmal? Bestimmt 1,90 m?" "1 Meter 87", antwortete ich. Das steht schließlich in meinen Ausweispapieren und ist somit amtlich. "Aber ich bin doch schon 1,85 und Sie  sind ein Stück größer...?" Mein Zahndoc wirkte irritiert. "Dann stimmt hier irgend etwas grundsätzlich nicht", konstatierte ich gelassen. Und nach einer kleinen Pause: "Sie sind garantiert kleiner!!!" Schallendes Gelächter von Sr. Jenny und Doc Palme. "Sie mich auch!!!, und weg war der Doc. 

 

Die Terminfindung mit Sr. Jenny gestaltete sich äußerst kompliziert. Im April kann  ich nicht, im Mai ist die Praxis wegen Renovierungsarbeiten nach Wasserschaden geschlossen, im Juni sind Ines und ich zwei Wochen auf Korsika und im Juli gibt es nicht genug freie zu blockierende Zeit für meinen Problemstiftzahn. Das Ende vom Lied: 22. August, evtl. zusätzlich der 23. mit der Option, dass der Doc mich dann krankschreibt. 

 

Nix ist so beständig wie ein Provisorium... hoffentlich!

 

Doc Palme hatte sich mehrfach entschuldigt. Als Sr. Jenny sich dafür bedankte, dass ich trotz des Ärgers ruhig, sachlich und verständnisvoll geblieben bin, konnte ich nur erwidern, dass auch ich nicht frei von Fehlern  im Job bin. Und dann, wenn ich Scheiße gebaut habe, froh bin, wenn darauf mit Verständnis reagiert wird.

 

Trotzdem ist das alles ärgerlich - schade um das schöne Adrenalin!

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So

07

Apr

2019

tOO much OO

Sauerstoffexzesse am wüsten Schloss Osterlant, Oschatz

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Fr

05

Apr

2019

Hier möffts wie im Puff

 

Ich telefoniere jeden Abend mit meiner Freundin – unsere Beziehung ist nun einmal eine ferne, so dass wir großen Wert darauf legen, wenigstens jeden Tag ein kleines bisschen voneinander zu hören.

 

Vorgestern habe ich Ines erzählt, dass es bei mir riecht wie im Puff. Das machte Ines natürlich neugierig, so dass ich ihr von meinem Streifzug durch die inzwischen sehr bescheidene Parfümerie im Kaufhof an der Hauptwache erzählte. Ich gehe seit einigen Jahren wegen meiner progredienten Soziopathie (hierzu verweise ich gern auf die heute in der Bahn beobachtete Kaugummi schmatzende Hackfresse) äußerst ungern shoppen. Am Mittwoch hielt ich das aber für notwendig, weil ich schon seit längerem auf der Suche nach einem Duft bin, den ich sehr mag, dessen Namen bzw. Label ich aber vergessen habe. Es ist ein sehr frischer Duft, ein klein wenig zitrisch, ein bisschen herb, ein klein wenig Aquarius (When the moon is in the 7th house and Jupiter aligns with Mars, then peace will guide the planets and love will stear the stars. This is the dawning of the age of Aquarius… ups, ich olle Hippietante schweife ab…)  

  

So ein Duft ist online schwer zu erkennen und so schritt ich zum Äußersten - ich betrat ein Kaufhaus. Und fand dort zunächst keine Pappduftträger. So besprühte ich mein rechtes Handgelenk mit Chanel Eau fraîche (duftet fein, ist aber unerhört teuer) und das linke mit Acqa di Gioia von Giorgio Armani  (auch nicht schlecht). Danach möffte ich im Kaufhof mit allerlei anderen Duftwässerchen rum, besprühte nun aber die dann doch noch irgendwo gefundenen Pappträger, leider auch versehentlich mit süßlichen, schweren Düften, die ich ganz und gar nicht mag.  Das Ende vom Lied war, dass ich vom Angebot enttäuscht „meinen“ Duft nicht identifizieren konnte, außerdem unterzuckert war und schlechte Laune bekam. Ein klare Indikation zum sofortigen Rückzug.

  

Gestern nach der Arbeit wollte ich es dann aber wissen und schritt schon wieder zum Äußersten. Dieses Mal beehrte ich Karstadt auf der Zeil mit der Option, notfalls auch noch bei Douglas einreiten zu können. Die Parfümerie bei Karstadt entsprach noch meinen Vorstellungen, auch wenn ich das Kenzo-Regal nicht finden konnte. Dafür standen überall Sales Girls mit schweren Gesichtern (zu viel Eigenwerbung in dasselbe geklatscht) herum und fragten mich gelangweilt, ob sie mir behilflich sein könnten. Dass das aussichtslos sein würde, hatte ihnen schon mein wieder einmal wenig damenhaftes Outfit (Jeans, Rucksack, bequeme Schuhe, leichtes Gesicht, gewesene Frisur) verraten. Immerhin trug ich nicht den von Ines so bezeichneten und von uns beiden sehr geschätzten Kelly-Family-Altklamotten-Look mit wehenden Röcken und viel Wolle drumherum drapiert. Ich lehnte also sämtliche Hilfsangebote mit ausgestrecktem Mittelfinger in der Jackentasche höflich ab und roch mich um. Besser als im Kaufhof, das auf jeden Fall. Zwei leichte Düfte von Jil Sander fand ich schon einmal gar nicht schlecht. Sie durften meine Handgelenke benetzen.

 

Ansonsten benutzte ich Duftträger, für die es allerdings in diesem Hause keine Entsorgungsmöglichkeiten gab. Also dekorierte ich mit den benutzten Stinkpappen kreativ die Glasregale, um die schwere Last der Langeweile von den zarten Schultern des geschulten Fachpersonals zu nehmen. „Mein“ Duft war auch hier nicht zu finden. Ich hatte ja Kenzo im Verdacht, aber der schwänzte im Kaufhof offensichtlich oder hielt sich vor meiner Übergriffigkeit versteckt. Schließlich beschnupperte mein ohnehin kaum noch brauchbares Näschen nochmals meine Handgelenke zum Vergleich und beschloss, dass die Basisnote vom spochtlichen Jil-Sander-Produkt für meinen Geschmack zu süßlich war, dagegen Evergreen noch immer frisch imponierte. Meine Kaufentscheidung stand fest – wenn schon Shoppen, dann mit Beute. Eine für dieses Ansinnen nützliche Kasse war jedoch nirgends zu finden, so dass ich das Hilfsangebot einer Verkäuferin dieses Mal annahm. Sie führte mich zu der für mein Produkt zuständigen Mitarbeiterin, die sich hinter Pappwänden verschanzt und hier auch ihre Kasse in Sicherheit gebracht hatte. Immerhin war sie freundlich und wollte wissen, ob ich denn eine Kundenkarte hätte. „Nein, SO etwas habe ich nicht!“, antwortete ich bestimmt. Sie suchte in einer Schublade herum und mir lag schon auf der Zunge „Und SO etwas will ich auch nicht“, zu sagen, als sie fast schon mitleidig fragte: „Und Sie haben wirklich überhaupt keine Kundenkarte?“ „Nein, gar keine“, wimmerte ich verhalten. Daraufhin scannte sie ein Etikett, was mir einen satten Rabatt von 4,50 Öckern einbrachte. Wahrscheinlich der Mitleidsbonus – wenn eine entfernte Verwandte des Kelly-Clans schon mal unterwegs in der großen Stadt war…

 

 

Da ich darum gebeten hatte, das Immergrün als Geschenk (für mich selbst!) einzupacken, bat mich die freundliche Verkäuferin, auf die andere Seite der Kasse zu kommen, wahrscheinlich, damit ich dort nicht länger im Weg rumstand. Frohlockend folgte ich ihrer Bitte und rempelte dabei einen werbenden Pappkameraden mit meinem Rucksack an, der vor Schreck das auf ihm ruhende Duftgewässer auf den Boden warf. Ein Herr war so freundlich, mir den weiter weg gekullerten Verschluss des Flacons zu reichen. Das Eau de Toilette selbst war noch vollständig im abgestürzten Fläschchen untergebracht, wenigstens etwas. Ich verschloss den Flacon wieder, stellte ihn schnell zurück und tröstete mich mit dem Gedanken, dass ich ja bald gehen dürfte und die nächsten drei Jahre bestimmt nicht wieder hier einkaufen würde. Etwas vorsichtiger  begab ich mich zu meiner Verkäuferin, während ihre Kolleginnen mit hochgezogenen künstlichen Augenbrauen hinter mir herräumten. Ich sehe gern zu, wie schöne Dinge kunstvoll verpackt werden und so lobte ich „meine“ Verkäuferin für ihr Ergebnis.  Sie freute sich offensichtlich darüber und lachte (erleichtert), als ich mich anschickte, mit meinem Eau de Parfum-Geschenk die Rolltreppe Richtung Hausboot zu besteigen.

 

Mi

27

Mär

2019

Zwolle

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So

17

Feb

2019

Schutzflügel

 

Heute früh um kurz nach 7:00 Uhr bei schlottrigen Minusgraden musste ich unbedingt einen lang gehegten Wunsch in die Tat umsetzen.

 

 

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Sa

16

Feb

2019

Katerfernsehen

 

 

Jurij guckt mit seinem einen Auge nur zu gern spazieren. Samstag früh um 08:15 war das Katerfernsehprogramm unglaublich spannend. Zeitweise klebten beide Katernäschen am Fenster und die Herrlichkeiten schnatterten begeistert um die Wette. 

 

 

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Mi

26

Dez

2018

Xmas fading

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Di

04

Dez

2018

Winter ist keine Ausrede...

meinte Herman, als ich seinen aufgezwungenen Winterschlaf zu seiner Freude unterbrach und ihn aus dem Fahrradkeller holte. Die Sonne hatte mich davon überzeugt, dass die ähm Umstrukturierungen in meiner Wohnung zweitrangig seien und meine Rübe dringend frische Luft bräuchte, zumal mein zweitletzter Urlaubstag dieses Jahr angemessen zelebriert werden wollte. 

 

Was lag da näher als der Jacobiweiher an der Oberschweinstiege... 

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So

28

Okt

2018

Hospitalismus verschärft

 

26. Oktober 2018

 

08:50 Uhr

Es ist gut 15 Jahre her, dass ich in ein krankes Haus eingeritten bin. Vielleicht hätte ich diese Abstinenz lieber nicht mutwillig unterbrechen sollen…

 

Von inzwischen wachsenden Zweifeln gebeutelt sitze ich seit zwei Stunden freiwillig hier ein und plane bereitz die Flucht. Dabei hatte ich mir diesen Aufenthalt in Ines' krankem Haus in Zeitz (Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt) ausdrücklich gewünscht, weil mich immer wieder Schwindelattacken quälen und eine sehr niedrige Herzfrequenz mit Stolperhüpfern erschrecken und sich inzwischen der bei mir fest installierte Hypochonder hyperaktiv zu Wort meldet. Wenn es nach ihm ginge, müsste ich schon längst klinisch mausetot sein…

 

Ich wünsche mir eine komprimierte (Ausschluss)-Diagnostik und habe im Vorfeld zugesagt, eine Nacht im kranken Haus zu bleiben, damit die kranke Kasse auch ein MRT der Halswirbelsäule blecht. Schlotternd vor Angst stieg ich daher um kurz vor 06:00 mit Ines in ihre Frau Üpsilon, um sie zum Dienst zu begleiten.

 

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Mi

17

Okt

2018

Die kretische Steinlaus

 

SIE LEBT11elf

 

Rumpentrumpen Research & Rescue discovered nach tage- und nächtelangem tapferem Ausharren im staubigen Steinbruch die seit Jahrzehnten total tot und ausgerottet geglaubte Steinlaus, als die beiden beherzten Forscherinnen föllich ausgezehrt und verdorrt leise weinend aufgaben und sich mit einem kretischen Frühstück trösteten.

 

Offensichtlich hat die Steinlaus im Laufe ihrer Evolution eine lebensbedrohliche Mineralienallergie entwickelt, die für sie fast den endgültigen Garaus bedeutet hätte, wäre sie nicht auf Dakos (kretische Zwiebackleckerchen in Olivenöl mit Tomatens und Mizithrakäse) umgestiegen.

 

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Di

28

Aug

2018

MIST!

Spochtlich motiviert befreite ich um kurz nach halb sieben Herman aus seinem muffigen Kellerkabuff. Ein wundervoller neuer Tag, aufregende Abenteuer, die ganze Welt lag uns zu Füßen und wartete nur auf uns... ähemm, gehtz noch, Bakenflatter? OK, über den 1. Dämpfer musste ich herzlich lachen, als ich versuchte, Herman in einem zu hohen Gang den Holbeinsteg hinauf zu bewegen. Knallorange Kniestrümpfe an flotten Joggerbeinen überholten uns. "Verdammte Brücke, aber wir schaffen das!", kam es aus dem Läufer gegrinst. 

 

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So

26

Aug

2018

Mit Herman auf Safari

 

 

Vor ein paar Tagen wollte ich - wie bereits vor dem Verwilderungswörkshop in MäcPomm - wiederum Teile des Arbeitsweges mit Herman (meinem guten Ratt) in der S-Bahn zurücklegen. Das war kaum möglich, weil die blöde Bahn  nach Tunnelsperrung und Ferienende absolut überfüllt war...

Nullbock, mir das Gedränge und die Hassblicke auch noch auf dem Rückweg anzutun. Und so versuchten Herman und ich nach Feierahmt einigermaßen orientierungslos den gesamten Landweg von Schwalbach im Vordertaunus nach Hause zu finden. Wobei ich mehr Glück als Verstand hatte, denn schon nach wenigen Metern entdeckte ich diese geniale und wirklich gut ausgeschilderte Route, die uns durch das mir unbekannte Gebiet bis zur Nidda führte. Von dort aus konnte ich mich am Flusslauf orientieren.

 

Mir hatte dieser Weg so gut gefallen, dass ich mir die Safariroute unbedingt noch einmal ausführlicher ansehen wollte. Und so tat ich dem Sonntag zum Trotz so, als ob ich zur Arbeit fahren würde...

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So

19

Aug

2018

Hoffnungslos verwildert

"Guuude, Ihr Bappsäck, ähm Schnarchsäck!', grüßte uns Karl am Freitagmorgen freundlich online. Grund genug, seinen Gruß ebenso zuvorkommend zu erwidern:

 

"Guuuude, werther Bruder Karl! Bappsäck sind wir auch, jehntfallz fällt der Dreck erst bei intensiver Behandlung mitter Wurzelbürste wieder ab. Das  Klassenziel Hökster  GdV (Grad der Verwilderung) hamwa erfolgreich überschritten und gelten im Zeltlager nun als Streber. Seltsamerweise freut sich keiner tüchtich mit uns.  Stattdessen wird kollektief abgereist 😁", tönte ich bester Laune. Die vielen Abreisenden hätten mir zu denken geben sollen.

 

Stattdessen berieten Ines und ich nach einem ausfüüüüüührlichen Frühstück über die Gestaltung unseres allerletzten wilden Urlaubstages am See und beschlossen, in  ihm unsere Astralkörper bei einem fröhlichen Ballspiel zu ertüchtigen. Hierbei wurden vor allem unsere Lachmuskeln gestählt, bis, ja bis der wieder einmal kräftige Wind unseren hübschen, mit bunten Meerestieren verzierten Ball zu neuen, für uns unerreichbaren Ufern trieb. Er hatte sich auf den Weg gemacht...

 

Ein bisschen traurig widmete ich mich ein letztes Mal dem fast schwerelosen Schweben auf der Wasseroberfläche, guckte träumend in den Himmel und verschluckte mich heftig an einer dreisten Welle, die mir ins Gesicht schwappte. Noch ein Zeichen...? 

 

Wir machten uns daraufhin auf den langen Weg bergauf zur Dusche und stutzten ordentlich, als unsere Transponder bei der Eingangskontrolle nicht mehr funzten. "Abgelaufen", meinten beide einhellig - das konnte gar nicht sein. Bevor wir uns erbost an der Rezeption beschweren konnten, stellten wir glücklicherweise selbst fest, dass wir tatsächlich nur bis Freitag, den 17. August 2018 gebucht hatten und an diesem frühen Nachmittag längst schon hätten verschwunden gewesen sein müssen. Peinlich - so etwas hätte mir nicht passieren dürfen. Normalerweise bin ich in diesen organisatorischen Dingen nahezu perfekt. Nahezu... 

 

Nach der Mittagspause baten wir freundlich an der Rezeption, unseren Aufenthalt um einen Tag zu verlängern und die Transponder zwecks Duschen und Toilettenbesuch wieder freizuschalten. NOPE! Die Rezep-Tusse stellte sich stur, motzte uns an, dass wir schon längst hätten abbauen und verschwinden müssen, schließlich würden die nächsten Kunden bald schon auf unseren Wasserplatz warten. Unser Hinweis, dass direkt neben uns noch ein Wasserplatz frei war und in den letzten Tagen diversen Umzugswünschen stattgegeben wurde, blieb unbeachtet. Die Rezep-Tusse ließ absolut nicht mit sich reden und so blieben wir eben dreckig und packten wütend zusammen, als die nächsten Kunden bereits auftauchten. Sie gehörten zu unseren einzigen noch verbliebenen Zeltnachbarn, gesellten sich zunächst noch einigermaßen freundlich zu diesen und tranken gemütlich das eine oder andere Bier, während sie uns schwitzenden Campingschweinchen bei der Arbeit zusahen. Ines fegte gründlich das ganze Zelt von innen und außen, während ich sorgfältig unsere Wirtschafts- und Vorratskiste aufräumte. Die Ungeduld nebenan wuchs erfreulicherweise angesichts unserer passiven Aggressivität und gipfelte in ein unfreundliches "Wie lange braucht ihr noch?!!!". 

Zum Abschied wies Ines die Herrschaften noch höflich darauf hin, dass es dort, wo sie herkommt, nicht üblich ist, Fremde einfach zu duzen.

 

Fort mit Schaden - Arsche lecken trallala. Frau Üpsilon fuhr uns beschwingt vom Platz direkt zu unserem absoluten Lieblings-Antik-Café mit traumhaften Torten. Die Seelentröster im Antiquariat hatten wir uns redlich verdient... 

 

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Do

16

Aug

2018

In die Flucht geschnarcht

 

 

haben wir unsere neuesten Zeltnachbarn.

 

Sie haben heute ihr Familienzelt zusammengefaltet und die Riesenmatratze weggeschleppt, nicht ohne dass Mutti den Kindern erklärte, dass sie nun zu ihrem neuen Platz gingen und Vati das Ganze vor dem Durchstarten des Familienboliden mit einem bitterbösen "Abartig ist das!" in unsere Richtung kommentierte. 

Solche wie wir haben das nicht anders verdient.. was schlafen wir auch so geräuschvoll. Dabei habe ich mehr als die Hälfte der Nacht gar nicht gepennt, weil mich zum einen zunächst  Ines' Schnarchen störte und ich zum anderen unterzuckert war und das nicht ganz oder eher zu spät raffte. Als ich dann endlich richtig pofte, weckte mich Ines gegen halb fünf, weil die Nachbarn sich in ihrem Zelt über mein Schnarchen aufregten. Ines habe ich natürlich ebenfalls wachgehalten und das offenhörlich auch schon früher, als ich subjektiv nicht pennen konnte und das dann wohl doch zeitweise tat. Ich habe mich dann aus Angst vor erneuter Ruhestörung wach gehalten und etwas später an den See gesetzt, bevor wir zusammen leise Kaffee kochten und uns zwecks Krisengespräch am Ufer niederließen. Wir haben unsere subjektiven und objektiven  Wahrnehmungen dieser Nacht verglichen, uns Alternativen überlegt und schließlich beschlossen, hier zu bleiben und die wohl fällige Auseinandersetzung mit den Nachbarn in eine konstruktive Richtung (uns entschuldigen, Oropax verschenken, evtl. beim Umzug helfen) zu lenken. 

 

Dieses Gespräch mit den Zeltnachbarn  fand aber nicht statt - wir sind ihnen offensichtlich zu abartig. 

 

Mir graut nun vor dem Schlafengehen. Am besten sperre ich mich den Rest dieser Nacht im Auto ein. 

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Di

14

Aug

2018

Gehtz noch... wilder?

Eindeutlich ja!

 

Gestern haben Rumpentrumpens die inzwischen deutlich abgekühlte vegetarische Gemüsesuppe mit schwimmenden Nudeln und zwei orntlichen Fleischeinlagen bereichert, denn schließlich sind wir nicht zum Spaß hier:

 

 

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Mo

13

Aug

2018

Sieben Erlen

 

 

Sieben Erlen

wiegen mich in einen blauen Montag

In ihrer Mitte schaukele ich 

zunehmend gelassen

dem Alltag  von der Schippe

 

Vergrabe seinen Trott im Sand

und backe einen Guglhupf

Mein Leben dümpelt langsam 

holt tief Luft

hält inne und schenkt mir Zeit

 

Im Einklang mit dem Draußen

verwildere ich 

Bin einfach

und wichtig beginnt mit einem n

 

Der See gluckst zufrieden

und macht ein Bäuerchen. 

 

 

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So

12

Aug

2018

Bärenstark

 

 

 

Heute konnten wir unsere rumpentrumpigen Kadaver bei nachlassendem Eiswind endlich wieder den ächzenden Erlen anvertrauen und in unseren Abhängigkeiten schaukeln. Aber erst gegen Abend, nachdem wir Campingschweinchen in unseren Autdohrautfitts (mit Patina!) die Wildnis erschreckt hatten, indem wir dem Bärenwald Müritz (http://www.baerenwald-mueritz.de/de/) unsere sonntägliche Aufwartung machten. 

 

Hier wohnen Bären, die aus unwürdiger Haltung befreit wurden, artgerecht  in riesengroßen Freigehegen und lernen wieder Bär zu sein und sich selbst gerecht zu werden. Zunächst sahen wir neben klug und unterhaltsam dargebotenen Informationen hauptsächlich Bäume und sonz nix.

 

Bis plötzlich...

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Sa

11

Aug

2018

Schlottern in MacPomm - Danke, Merkel!

Heute ist es sogar im Zelt saukalt (15 °C aktuell um 21:55).  Wir hatten dummerweise verpasst, vor dem Mittagseinschluss den Campingplatz mit dem Auto zu verlassen und wärmten uns daher in der Schlafkabine in unseren Penntüten auf. Der Wind lässt noch immer das Zelt wackeln und tost, Krähen zetern und die mörderischen  Schlingpflanzen im Gemüsesuppensee warteten heute vergeblich auf zappelnde Menschenbeine. Kaum vorstellbar, dass wir noch vor zwei Tagen dauerbadebehost kaum den See verlassen wollten.  

 

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Fr

10

Aug

2018

Born to be wild - Tag WeißderGeier

 

 

Inzwischen sind einige Sonnen und keine Monde (nicht zu sehen) ins Land gegangen. Die Naturgewalten und wir beuteln uns gegenseitig; es steht unentschieden. Im Wasser war die Hitze (36 Grad) erträglich, allerdings auch nur dort.  Ines und ich haben uns mit Grünzeugs aus der warmen Gemüsesuppe (Plauer See) die siedenden Rübchen dekoriert und bemängelt, dass die ungesalzene Bouillon nicht mit unseren üblichen Verdächtigen (Knoblauch & Chili aus der Hexenküche) gewürzt war.  

 

Kurz vor dem Donnerwetter...
Kurz vor dem Donnerwetter...

 

Gestern Abend ging die Sonne nicht unter, dafür aber beinahe die Welt. Wir hatten zwischen unseren Badeanwendungen unser Zelt imprägniert, aufgeräumt und geputzt. Wenkstens das Imprägnieren erwies sich abends als sinnvoll, die anderen Maßnahmen nicht. Als Ouvertüre drückte uns das Unwetter mit Gewalt eine volle Windhose ins Zelt - dunkler Staub und Sand selbst in den entlegensten Winkeln. Das Zelt wackelte gar furchtbar, es blitzte aus allen Richtungen und regnete heftig bange Stunden lang. 

 

Bis auf eine verheerende Verdreckung ist uns aber nichts passiert und so beschlossen wir heute früh angesichts der Sauerei, vor der unvermeidlichen Putzorgie einen kleinen Ausflug nach Malchow zu machen. Andere Metropolen gibt es hier nicht... abgesehen von Adamsklöten natürlich.

 

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Di

07

Aug

2018

Chronifiziert verwildert Tag 2 dreiviertel

Heute war nur der Morgen ein wilder, nachdem Rumpentrumpens bereiitz um halb sieben aus ihren Penntüten ausgestiegen waren und gepflegt ihren Kaffeeimern huldigten. Danach wurde cholesterinbewusst eine postprandiale Ptosis induziert:

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Mo

06

Aug

2018

Chronik der Verwilderung Tag 1,7

Tag 1,7 nach einer verlängerten Anreise ist ein richttig schöner. Wir wohnen draußen unter Bäumen. Sitten und Gebräuche verlottern und wir bemühen uns redlich, unseren GdV (Grad der Verwilderung) auszubauen. 

 

Fr

03

Aug

2018

Frei-Tag früh

05:00 Uhr ... wie gewohnt gehe ich mit meinem Kaffeeeimer und den beiden Piratenmonsterchen auf den Balkon. Vielleicht laufen die Eddies wieder senkrecht die Hauswand runter und grüßen die aufgeregten Jäger im Vorbeiklettern frech, während die Mauersegler in wilden Spiralen den Sonnenaufgang begrüßen. Sobald es heller wird, werde ich wieder meine vergänglichen Wundertrichter zählen und mich über die Hummelbrumms freuen, die in ihnen frühstücken. 

 

Und danach nicht zur Arbeit fahren.

 

...!

Mo

30

Jul

2018

Willemsen

  

...jedes Mal sehe ich dich vor mir -

in der Holbeinstraße, wenn ich mit meinem Rad vom Main komme

 

So wie damals, im Sommer 2011 oder vielleicht auch 2012

Du kamst mir entgegen

Fliegende Locken, wild gestikulierend in ein Gespräch vertieft

mit Aktenordnern und Büchern beladen

Das Sakko hing etwas schief über deinen Schultern

und dein herzliches Lachen war so ansteckend

lebendig

 

 „Hier bin ich, hier auf dem Rad, mit dem renitenten Rentnerlein im Anhänger, ich will jetzt auf der Stelle total intellektuell mit dir reden“, brüllte es zum Glück nur in mir, denn angehörts deiner Redegewandtheit wäre ich schockverstummt.

 

Viel zu schnell vorbei, dieser Moment

so wie dein Leben

Die Straße bleibt leer

 

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Mo

16

Jul

2018

...shoot the whole day down

Während sich der noch junge Montag (immerhin erst fünfeinhalb Stunden alt) mühsam entfaltete, regnete es gemütlich aus einem ziemlich blauen Himmel. Ich  beschloss, dass das bis halb 7 aufhören würde, denn schließlich wollte ich mir den einzigen Genuss an einem Arbeitstag, meine frühlich frische Fahrradfahrt durch Frankfurt, nicht nehmen lassen. Und das funzte tatsächlich, bis, ja bis...

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Fr

30

Mär

2018

Unsung Prophets and Dead Messiahs

Karfreitag - welcher Tag könnte passender sein, um an Dead Messiahs zu denken. Revolutionäre Menschen wie Sokrates, Jesus, Mahatma Gandhi, Martin Luther King, John F. Kennedy, Jitzchak Rabin, Anwar as-Sadat, der erste Araber, der Frieden mit Israel schließen wollte, Che Guevara, Victor Jara...

 

Am 26. Februar 2018 haben Ines und ich Orphaned Land aus Israel in Arnhem/NL erlebt, nachdem uns ihr neues Album über die Unsung Prophets and Dead Messiahs seit seinem Erscheinen im Januar nach wie vor mehr als überwältigt. Zur Botschaft dieses Album gibt es ein geniales Interview mit Kobi Farhi, dem (Metal)Head der Band.

 

Mich hat das Gesamtkonzept dieses Albums so sehr bewegt, dass ich den Junx kurz vor dem Konzert auf Fratzbuck unter ihre Widmung an Victor Jara eine kleine Nachricht schreiben musste:

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Fr

01

Sep

2017

Ein Leben lang und darüber hinaus

 

 

So ähnlich hieß ein Beitrag im Fratzbuck, den ich gerade gesehen habe. Er zeigt Hunde und ihre Menschen zu Beginn und Ende des Hundelebens. Ich habe angesichts dieser Fotos nicht nur ein Tränchen verdrückt und intensiv an unseren Robin Hund gedacht. Und nicht nur an ihn.

 

Am 1. September 1996 kam er zu uns, an Bennis 9. Geburtstag. Es war ein wunderschöner Altweibersommersonntag. Meine Eltern und meine Oma kamen zu Besuch, nachdem wir den kleinen Welpen von seinem Bauernhof in Ilbenstadt abgeholt hatten. Das friedliche Bild, wie meine Oma auf unserer Gartenbank die späten Sonnenstrahlen genoss und der kleine Welpe  nach seinen ersten aufregenden Abenteuern bei uns  unter der Bank schlief, hat sich in meine Seele eingraviert.

 

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Fr

16

Jun

2017

Die guten Gärtner

Soll ich jetzt den Rasen mähen oder nich...

 

 

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Mi

14

Jun

2017

Dem Morgen blüht

heute früh allerhand. Die Trichter winden, Diplomdämchen posieren, fühlen sich anmutig am Katzennetz rankend zu Höherem berufen. Petunien in weiß und lila, hier und da ein bisschen Geranienrot, Wandelröschen wechseln das Programm. Die blaue Blume überwiegt jedoch. Lobéliet, ihr treuen Männer! Rosmarin und Minze duften. Noch halten sich die Flugzeuge und Laubstaughustsauber zurück, ich genieße die Stille. Jurij und Joschij kauen zufrieden ihr Gras und ich betrachte das Idyll noch sehr vertrieft über den Rand meines ersten Kaffeeimers des Tages hinweg, frage mich, wann die gewundenen Trichter blühen und was aus meinen selbst gezogenen Pflänzchen werden wird – ebenfalls blaue Blümchen, so hoffe ich. Vielleicht habe ich sie zu spät gesät, es war viel zu lange kalt in diesem Jahr.

 

Ich liebe diese frühen Sommermorgen auf dem Balkon, versuche, an der großen blauen Tasse nippend Koffein in Motivation umzuwandeln und freue mich über meine gestreiften Piratenkater, die neugierig den Ausblick genießen und Nachbarn begaffen.

 

Gerade denke ich, wie wohltuend dieses stressfreie Intermezzo auf dem Balkon im Gegensatz zum morgendlichen Internetsurfen mit all den lauten Katastrophen ist, als mein Pirat Jurij wieder einmal einen Blick aus seinem einzigen Auge vom Balkon aus ins Wohnzimmer werfen will. Eine Tätigkeit, die ihn begeistert, besonders, wenn er seinen rot-weiß-gestreiften Kumpel im Zimmer beobachten kann. Heute früh besteigt er das Fensterbrett von der rechten Seite aus, er wählt also eine andere Perspektive. Was für ein aufgewecktes Kerlchen! Er haut seinen Enterhaken in den Blumenkasten vor dem Fenster, versucht, seinen Lebensmittelschwerpunkt nachzuziehen und reißt mit einem feuchtschwarzen Krawummmms das Teil vom Fensterbrett…   

 

 

 

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